Archiv der Kategorie: Roman

Der Pfingsturlaub eines Schriftstellers

gestern – heute

Es soll ja tatsächlich neben mir selbst noch weitere Menschen geben, die ab und an diesen Blog besuchen, weil sie sich für die Texte interessieren und mir nicht die Kommentarfunktion mit irgendwelchem Rotz vollspammen wollen. Sie sind in der Minderzahl, aber daran bin ich seit nun fünf Jahren gewöhnt. Ich führe diesen Blog ja in erster Linie als Teil meines Arbeitsprozesses als Autor.

Ich finde es entsetzlich langweilig(1), wenn ein Autor über das Schreiben schreibt (oder den horror vacuii, der m. E. nur eine weinerliche Ausrede ist), aber ich werde es jetzt auch einmal kurz tun, denn ich wurde gefragt, warum ich meine Romane hier Woche für Woche in Fortsetzungen poste, die ja eh niemand liest.

Hier arbeite ich am Geltsamer …

Ich arbeite nach folgendem Schema: Der  erste Entwurf erfolgt handschriftlich in eines meiner karierte Notizbücher, pro Tag schreibe ich etwa 2000 bis 2500 Wörter, selten mehr. Ich habe für jedes Romanprojekt ein eigenes Heft. Auf diese Weise entstehen in Manuskriptform pro Schreibtag etwa 10 spätere Buchseiten, eher weniger. (2) Im nächsten Schritt tippe ich die entstandenen Texte aus dem Notizbuch ab (Ich benutze dazu die LibreOffice, die ich Word und anderen Textverarbeitungsprogrammen vorziehe). Die ursprünglichen Entwürfe werden dadurch meist etwas länger. Der nächste Schritt findet dann hier auf dem Blog statt. Ich poste das Stück als Fortsetzung und überarbeite es am Bildschirm noch mehrmals. Wenn der gesamte Text auf diese Weise einmal komplett auf „Aber ein Traum“ erschienen ist, erfolgt im Anschluss  das Überarbeiten und die Lektorieren dieser „Betaversion“ für die Buchausgabe, deren Probeexemplar dann noch einmal von meinen Freunden nach Fehlern untersucht wird. Es ist erschütternd, wie viele Tippfehler, Wortwiederholungen und verunglückte Formulierungen dann noch stehenbleiben und erst langsam in der 3. oder 4. Ausgabe ausgebessert werden.

Trotzdem ist es mir auf diese Weise möglich, 2 Romane im Jahr zu schreiben und meine kleine Werkausgabe wächst.

Beim 3. Teil von „Dr Geltsamers erinnerte Memoiren: Das Gulag des Dr. Krakow“ werde ich mit dem Rohentwurf bald fertig sein und zwar – wie ich hoffe – bereits in den nächsten Wochen, in denen ich Urlaub auf Kreta machen werde. Dieser Blog ruht so lange. Ich bin also weit, weit weg; von einem kleinen Appartement an der Nordwestküste der griechischen Insel aus wandern, Kultur bestaunen und im mare nostrum planschen und gleichzeitig im Jahre 1951 in einem sibirischen Gulag, in dem Ungeheuerliches geschieht. Es ist übrigens das erstemal seit 18 Jahren, dass ich wieder einmal Griechenland besuche, obwohl es früher mein Lieblingsurlaubsziel war – Italien liegt mir inzwischen in jeder Hinsicht näher. Deshalb gibt es jetzt auch kein aktuelles Foto, sondern einen alten Schnappschuss, den Frau Klammerle bei unserem ersten Urlaub auf dem griechischen Archipel machte. Es zeigt den Autor 1986 als jungen Mann, der gerade an seinem ersten Roman „Das Spiel“ (3) arbeitete – so arg habe ich mich gar nicht verändert und ich hoffe, Hellas hat das auch nicht.

Das Foto ist ja noch schneller gealtert als ich …

θα σας δω σύντομα και πολλά χαιρετισμούς,

Euer Nikolaus

 


(1) Gut, noch langweiliger finde ich es, über Träume zu schreiben oder welche beschrieben zu bekommen. Gott, ist das fade!

(2) Eine durchschnittliche Glosse auf meinem Blog ist etwa 800 Wörter lang; die Roman-Fortsetzungen haben 1200 Wörter.

(3) Von diesem nie ganz fertig geschriebenen Anfängerstück, dessen 2. Teil auf Mykonos spielt, gibt es hier auf dem Blog nur ein paar Bruchstücke zu lesen, der Rest ist zu halbgar. Allerdings habe ich manche Abschnitte später an anderer Stelle recycled. Merke: Schmeiße nie etwas weg, das du geschrieben hast.

 

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Der Weg, der in den Tag führt, Teil II: Pardais – 1. Kapitel (3)

[Zum ersten Teil …]

Der Weg, der in den Tag führt
Teil 2: Pardais

„Was hast du für ein liebliches Gesicht“, flüsterte der Prinz ihr zu und schloss genießerisch seine Lider. „Das Ebenholz deines Haars und deine grauen Augen sind so … lieblich!“

Irta konnte nicht anders: Sie müsste über die ungelenken Schmeicheleien lachen. Sie blähte ihre Wangen auf und prustete los. Dadurch gelang es ihr endlich, sich aus ihrer qualvollen und erniedrigenden Lage zu befreien. Sie fiel zurück in ihre Kammer und auf die Kissen, die dort als ihr Bett auf dem Boden lagen und lachte auf dem Rücken liegend schallend weiter.

„Deine Augen sind so grau und glänzend wie das Gefieder der Dohlen, die den verfallenen Turm der Hochburg von Dersa wie ein ewiger Gesang umkreisen“, versuchte sich Raul an einem Vergleich aus der alten lamargischen Heldensage Sena und Viril. Das war die einzige Zeile Poesie, die er kannte, die ihm halbwegs in seine Lage zu passen schien, doch er erntete damit nur weiteres Gelächter, das in einem Hustenanfall endete, der den Prinzen um die Gesundheit seiner Angebeteten fürchten ließ. Doch Irta presste nur fest ihre Hand auf den Mund, damit sie mit ihrem Lachanfall niemanden im Serail aufschreckte. Tränen liefen ihre Wangen hinab. Sie war wirklich nicht anspruchsvoll, wenn ihr jemand Komplimente machte, aber jeder dahergelaufene Gassenjunge in Karukoras Altstadt kannte schönere Verse, um ihre übrigens bei jedem Licht dunkelbraunen Augen anzuhimmeln. Das wusste auch Raul, aber Dohlen waren eben seiner Erfahrung nach nicht braun. Diese künstlerische Freiheit hatte er sich herausgenommen.

„Zeige dich wieder, unbekannte Schönheit. Bitte …“, bettelte er. „Ich weiß doch, ich bin nur ein Barbar aus den schwarzen Wäldern nördlich des Walls und ich kann besser mit dem Schwert als mit Worten sprechen. Die einzigen Bücher, die ich je gelesen habe, sind Us‘Dis Die hinterlistige Kunst, einen Krieg zu gewinnen und die Lehrbücher, die ich im Unterricht auswendig lernen musste. Ach, ja, ich kenne noch die Fünf Bücher des Baruch. Wenn sie auch viel Poesie enthalten, dann ist es doch eine, die dir vielleicht zu fremd und ketzerisch erscheint. Doch lass es mich versuchen.“

Irta antwortete nicht, doch sie schloss auch nicht ihre Fensterläden. Sie spitzte im Gegenteil ihre Ohren, damit sie nur ja nichts versäumte. Die in Karukora verbotenen Bücher des Baruch, die der erste Erzabt Straif von Italmar in den Geisterhöhlen unter dem Newtongebirge gefunden hatte, interessierte sie sehr, denn als Tochter eines Märchenerzählers war sie immer an neuen Geschichten interessiert.

Am besten dient mein Auge blinzelnd mir;
Denn unbeachtet geht der Tag an ihm vorüber:
Allein im Schlaf, im Traume sieht’s nach dir
Aus Nacht in Helligkeit, nachthell hinüber.
Du, deren Schatten nun die Schatten so erhellt,
Wie wird am Tag erst deines Schattens Wesen
Mit seinem höchsten Licht erfreun die Welt,
Wenn blinde Augen schon am Schatten so genesen!
Wie selig, sag‘ ich, wär mein Auge nun,
Hätt‘ ich am heitern Tag erst dich gewahrt,
Wenn öde Nacht den Augen, wie sie ruhn,
Dein schönes bleiches Trugbild offenbart.
Mir scheint Nacht jeder Tag, getrennt von dir,
Und Nächte hell wie Tag,
zeigst du im Traum dich mir.

Zuerst war die Stimme Rauls unsicher und zögernd. Er geriet auch einmal ins Stocken und begann wieder von vorn. Aber dann erinnerte er sich immer besser an die Verse aus dem 1. Buch des Baruch. Er hatte sie für seinen Rhetoriklehrer als Gedächtnisübung immer und immer wieder vorsagen müssen, bis er sie schließlich auswendig konnte. Obwohl Raul viele Jahre nicht mehr an diese Lektion gedacht hatte, sah er das Gedicht nun plötzlich so deutlich vor sich, als würde er die Worte direkt aus dem heiligen Werk der Mönche von Italmar ablesen. Er wusste nicht, was Meister Jac Javac Mauvaise damals bewogen hatte, die Sprachfertigkeiten einen zehnjährigen Knaben ausgerechnet mit diesen Versen verbessern zu wollen. Erst jetzt, während er sie nach langer Zeit zum ersten Mal wieder sprach, begriff er wirklich ihren Inhalt und er erkannte, dass sich hinter den bloßen, wohlklingenden Worten noch etwas anderes, etwas düsteres verbarg.

Irsa jedenfalls lauschte der uralten Poesie aus der verlorenen Zeit der Vorgänger begeistert. Sie kannte sie nicht, weil sie ihr verboten war. So wurde ihr das Zuhören so bittersüß wie das Kosten einer Tollkirsche und ließ sie mit einem Mal ahnen, dass es hinter der Liebesplänkelei, den heimlichen Blicken, den halb scherzenden, halb provozierenden Schmeicheleien, sogar den flüchtigen Küssen und Berührungen in unbeobachteten Augenblicken in dunklen Ecken noch etwas anderes gab, das viel gewaltiger und größer war. Und wenn die Bücher des Baruch wirklich solch wundervolle Poesie enthielten, dann konnte es keine vollkommene Sünde sein, sie zu lesen.« Sirtis machte eine Pause und sah sich um.

»Doch wir, meine Lieben, leben in einer aufgeklärteren Zeit und uns schockiert doch die Erwähnung eines heidnischen Buches nicht mehr, das unsere Väter und Mütter gefürchtet haben«, sagte sie dann. Sie hatte sich auf eine gefährliche Straße begeben, als sie den heiligen Kodex der Mönche erwähnte, die in Baruchs Namen einst die halbe Welt erobert und und die blutige und grausame Knute ihrer religiösen Diktatur gebracht hatten, bis die Kokardenrevolution sie in die Grenzen ihres eigenen Staates gezwungen hatte. Doch diese finsteren Zeiten waren lange vorbei. Trotzdem spuckte sie zur Sicherheit und zum Schutz gegen das Böse dreimal ins Feuer, bevor sie weitererzählte. Ein paar ihrer Zuhörer taten es ihr gleich.

»Raul wartete geduldig auf eine Antwort des Mädchens, dem es zum ersten Mal in ihrem Leben die Sprache verschlagen hatte. Die Lachlust war Irta vergangen und ein merkwürdiger, süßer Schmerz machte ihr das Atmen schwer.

„Kann es sein?“, fragte sie sich zwischen Bangen und Hoffen. „Kann es denn wirklich sein?“ Sie konnte sich nicht entscheiden; zu verfahren war ihre Situation. Sollte sie dem Prinzen antworten und ihm Hoffnungen machen? Oder doch besser sofort ihr Fenster schließen und darauf hoffen, dass er diesen Wink verstand? Eine Zukunft konnte sie sich mit ihm nicht vorstellen.

Die Allerbarmerin, die mit ihrem tränenvollen Blick auf alle Lieben in den Überlebenden Landen blickt, nahm ihr die Entscheidung ab. Auch wenn ihre göttlichen Entschlüsse auf uns Sterbliche wie Zufälle wirken, sind sie doch immer weise und barmherzig. Plötzlich war der Lärm von eilenden, sich nahenden Schritten aus dem entfernteren Teil des Gartens zu hören. Eine Gruppe Männer – wahrscheinlich Eunuchen, die nach dem Rechten sehen wollten -, kamen mit Fackeln in den Händen herbei und es konnte nur noch Augenblicke dauern, dann war der Prinz von ihnen entdeckt und bloßgestellt! Irta sprang auf und legte den umgestürzten Hocker wieder unter das Fenster, um auf ihn zu steigen und hinauszusehen. Hoffentlich gelang es Raul, den Näherkommenden zu entwischen! Doch der junge Prinz hatte einen besseren Einfall, als sein Heil in einer unvorbereiteten Flucht zu suchen. Er wusste: Würden ihn die Wachen hier unter den Mauern des Verbotenen Haruems auffinden, dann hatte er sein Leben verwirkt und das Todesurteil würde ohne viel Federlesens gleich an Ort und Stelle vollzogen. Sein Kopf tauchte überraschend im Fensterrahmen auf und Irta prallte zurück. Dann schob sich der Prinz seitlich durch die enge Öffnung weiter in ihre Kammer hinein. Doch dann hinten seine Beine im Freien und er kam nicht mehr weiter. Die Wächter waren inzwischen herangekommen. Wenn jetzt einer von ihnen nach oben sah und begriff, was sich dort in der Dunkelheit abspielte, dann war Raul verloren.

[Fortsetzung nach meinem Pfingsturlaub …]

Der Beginn der spannenden Geschichte:

Der Weg, der in den Tag führt
Teil I: Karukora

Als Taschenbuch oder günstiges E-Book,
380 Seiten, illustriert

Ein Kommentar

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Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren III – Ein phantastischer Roman (Teil 16)

[Zum 1. Teil]

Eines Abends wurde das mit Eisen und Leder gekleidete Mädchen mal wieder nach Wasser ge­schickt; doch diesmal ging sie, obwohl es ihr von den drei Männern verboten worden war, mit ihrem Krug nicht wie an den anderen Tagen zum Fluss, sondern hinab zum weißen See, weil sie neugierig auf die Milch war, von der ihr Siosiku erzählt hatte. Sie kam nicht zurück, da plötzlich vor ihr der mächtige Fisch erschien und Tesjasika ohne Zögern mit einem einzigen Biss seines mächtigen Maules verschluckte. Als sie lange ausblieb und die Zeit, da sie zu den drei Zel­ten heimkehren sollte, längst vorbei wahr, machte sich zuerst Epa voller Sorge auf die Suche nach ihr. Aber auch er kehrte nicht zurück, denn auch er wurde ein Opfer des gierigen Fischs. Da gingen Ligo und endlich Syhn und wollten sehen, was gesche­hen war. Doch sie wurden wie Tesjasika der Reihe nach von dem Wasserungeheuer geraubt, ins Wasser gezogen und von ihm geschluckt.

Als Siosiku zuletzt allein übrig blieb, ahnte er, was geschehen war und er überlegte lange hin und her, was nun zu tun war. Dann entschloss er sich. Zu­erst verfertigte er sich Waffen. Aus dem biegsamen Ast einer Fjällbirke und dem Darm einer Elchkuh machte er sich einen guten Bogen und die Pfeile formte er aus Eisenholz, Federn und Feuersteinen. Aus dem Stamm einer jungen Lärche und einem abgelegten Teil von Tesjasikas Rüstung stellte er zwei starke Speere her, die er sich auf den Rücken band. Auch ein Messer der Halbmenschen steckte er sich in den Gürtel. Dann folg­te er den im Schlamm gut sichtbaren Fußspuren der anderen.

Am See angekommen, lieferten sich der junge Mann und der furchtbare Fisch einen gewaltigen Kampf, der einen Tag und eine Nacht und dann noch einen Tag dauerte, aber schließlich zog Siosiku seine Beute halb an Land. Da bäumte sich der Fisch mit einem Mal auf und verschluckte auch ihn. Doch das hatte Siosiku so gewollt, denn nur auf diese Weise konnte er das Ungeheuer besiegen. Im Maul des Fisches stellte er sich deshalb sogleich quer, damit er nicht in den Magen hinuntergewürgt werden konnte und presste seine Füße fest gegen die tausend spitzen Zähne. Dann schoss er mit seinen Pfeilen dem Fisch von innen in den Hals und in die Kiemen, bohrte ihm seinen einen Speer bis in den Bauch und den anderen durch die Zunge in den Gaumen und weiter, bis er durch die Haut nach außen drang. Auf diese Weise war es bald aus mit dem gewaltigen Seefisch.

Siosiku kletterte hinaus und schnitt eilig mit dem Messer den Bauch des Fisches auf. Dort fand er die verschluckten vier Menschen, seine geliebte Tesja­sika und die Halbmenschen Epa, Ligo und Syhn. Sie atmeten alle längst nicht mehr; nur das Mäd­chen konnte Siosiku unter großer Mühe wiederbe­leben. Er entkleidete sie und sich selbst und press­te sie fest an seinen Körper. Am anderen Tag kam sie hustend und keuchend wieder zu sich. Von da an lebten sie einander in inniger Liebe zugetan zu zweit bei den Zelten am Fluss. Den Fisch zogen sie aus dem Wasser heraus und zerschnitten ihn in dreizehn Stücke, die sie an dreizehn verschiedenen Stellen weit von See entfernt in der Steppe vergru­ben und schwere Steinhaufen darüber anlegten, damit das Fleisch nicht von Wildtieren geplündert wurde und es niemals wieder zusammenfand. Ihr könnt die Grabhügel des Ungeheuers heute noch unten in der Ebene sehen.

Siosiku wusste, dass dieser Fisch seine Mutter ge­wesen war, die ihn ernährt hatte. Seine Frau wuss­te jedoch über ihre Herkunft nur, dass sie die drei Halbmenschen aus einem Zelt voller ermordeter Frauen geholt hatten. Siosiku und Tesjasika um­armten einander und sie bekamen zusammen viele Kinder. Ihre Nachkommenschaft gründete lange Zeit später den Stamm der Machjasotij Edska, was ins Russische übersetzt „Diener der Ersten Frau“ heißt. Die Machjasotij verstreuten sich über die Jahrhunderte hinweg über die ganze Welt. Ein paar wenige von ihnen leben auch heute noch mit­ten unter uns und sogar in diesem Lager. Sie dienen der Gerechtigkeit. Siosiku aber wurde später auch der Menschenerzieher-Gott ge­nannt, nachdem er und Tesjasika zum Himmel aufgestie­gen waren und als eng beieinanderstehende Sterne in den Winternächten über der Tundra funkeln.

Diese Erzählung habe ich genau auf diese Weise und mit diesen Worten von meinem Geistesbruder Peptej erfahren, dem sie wiederum die alte Utaj berichtet hat, die sie wiederum von Sentej empfing. Adrij gab sie an Dutja weiter, die sie Letjet ins Ohr flüsterte, der der Priestervater von Sentej war. Adrij war nicht die erste, ich bin nicht der letzte. Es ist ein Kreis. Mögen meine Bart­haare ewig brennen und mich peinigen, wenn ich auch nur einen Buchstaben an der Erzählung geändert oder ergänzt habe!“

Bei der Aufzählung der Schamanen von Fedors Stamm war ich längst eingeschlummert, aber es waren die traditionellen Sätze, mit denen er jede seiner Sagen, Märchen und Göttergeschichten schloss, aus deren schier unerschöpflichem Fundus er uns gerne unterhielt. Deshalb kann ich sie auch nach fünfunddreißig Jahren noch auswendig und ich hörte gerade tatsächlich, wie sie mir Fedor beim Nie­derschreiben diktierte. Es war eben, als würde er hier neben mir am Küchentisch sitzen, sich dabei sein Pfeifchen stopfen und die bis auf einen schma­len Schlitz geschlossenen Augen voller Freund­schaft und Zuneigung auf mich richten. Vielleicht sind ja die Geister der Schamanen seines Volkes auf mich übergegangen und Peptaj und die ande­ren hocken mir auf der Leber, die für Fedor der Sitz der Seele war. Nun, groß genug für so viele Gespenster dürfte meine Leber ja inzwischen sein. An meinem Tisch sitzen auch noch weitere Geister und beobachten mich beim Schreiben, willkommene und unerwünschte, und ich höre ihre Stimmen, mit denen sie versu­chen, mich in ihrem Sinne zu beeinflussen. Fedors tiefes Organ ist dabei das lauteste und sein Geist der strahlends­te. Das ist das Los eines alten Mannes, der alle sei­ne Zeitgenossen überlebt hat: Er ist am Tag und vor allem in der Nacht von ihren Gespenstern um­geben. Sie sind ihm treuer als Bettwanzen und quä­len ihn ebenso mit ihren Stichen.

Wie gesagt, lullten mich die äußerst merkwürdi­gen Sage Fedors, deren Botschaft ich nicht begrif­fen hatte, und die auf meiner Haut brennende, aber wohltuende Salbe schnell ein. Ich schlief bald traumlos und tief, bis mich ein nur allzu früher, grausamer neuer Morgen weckte und unser elen­der Tagesrhythmus in Antenora von neuem be­gann. Um diese Tage zu beschreiben, hat es genügt, einen einzigen, den ersten von ihnen, herauszugreifen. Es war eine graue Masse gleichförmiger, sich wie­derholender Abläufe, die vom Takt der Lagersirene bestimmt waren und keine Abwechslung kannten. Es ist gleichgültig, ob ich vom ersten, vom fünfzigs­ten oder vom hundertsten Tag berichte. Die Aus­nahmen waren die arbeitsfreien Sonntagnachmit­tage, in denen sich allerdings die ärztlichen Unter­suchungen und die rohen Säuberungen in den Waschhäusern wiederholten, und Lenins Geburts­tag im April, an dem wir den ganzen Tag nicht ar­beiteten und über die knackenden Lautsprecher patriotische Musik ertönte.

Doch für heute, mein Leser, habe ich wirklich beinahe ge­nug geschrieben, meine ich. Fast ein Drittel meines Papiers wurde schon von mir vollgekritzelt, mein neues polni­sches Fläschchen ist bereits wieder halb leer und mir ist auch  erneut mehrmals der Bleistift aus den erschöpften Fingern geglitten. Bald wer­den meine Lichter ausgelöscht – und wehe, wenn mich dann der Pfleger erwischt und ich noch nicht in meinem Bett liege! Nun muss ich nur noch ein gutes Versteck für die beschriebenen Bögen fin­den, damit sie niemand in meiner Abwesenheit fin­det oder die nächtliche Aufsicht Lasar Antono­witsch später auf sie stößt, wenn er seine Runde macht und dabei wie jedes Mal meine kleine Wohnung durchwühlt, wie es seine Angewohnheit ist. Er denkt, ein seniler, schwerhöriger Mann wie ich be­merkt esnicht, wenn er sich in meine Zimmer schleicht und nach ein paar Rubeln oder anderen für ihn wertvollen Dingen sucht. Aber da täuscht er sich. Manchmal lasse ich absichtlich ein halbes Glas Wodka oder ein paar Kopeken auf dem Tisch liegen, damit er nicht misstrauisch wird und inten­siver nach meinen versteckten Schätzen sucht.

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[Fortsetzung nach meinem Pfingsturlaub …]

Ein Kommentar

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Die Wahrheit über Jürgen – Ein Künstlerroman (Teil 25)

[Zum ersten Teil]

»Nein, schau jetzt!«, zischte er. »Sieh hin.« Seine Stim­me klang unangenehm und gierig. Obwohl ich mich vor mir selbst ekelte, warf ich noch einmal ei­nen Blick hin­über zu dem nahezu blinden Mann, der nun in seine Umhängetasche gefasst hatte und zu meinem Erstaunen eine ganze Handvoll kleiner Münzen zu Tage förderte, die er ebenso genau einer Prüfung unterwarf wie vorher den Rechnungsbeleg. Ich schüttelte den Kopf.

»Armer Kerl«, sagte ich. Jonas schüttelte den Kopf.

»Findest du? Du hast Mitleid mit ihm? Hat dir seine Show gefallen? Dann lass dir sa­gen: Er war eine Zeitlang im Gefängnis, weil er ein Kind sexuell misshandelt hat. Jetzt bettelt er und han­delt mit den Drogen, die er selbst konsu­miert. Er trägt sie in sei­ner Tasche mit sich spazie­ren.« Wieder sah ich hinüber und ich konnte nicht anders: Ich betrachtete den Mann mit anderen Augen. So schnell war mein Mitleid in Ekel umgeschlagen. Der Halbblinde gab nur zö­gernd seine Geldstücke preis, hatte anscheinend Angst, er könne zuviel herausgeben.
»Ist das wahr?«, flüsterte ich skeptisch. »Oder hast du dir das gerade ausgedacht?« Jonas lächelte über­heblich.

»Spielt das eine Rolle? Du musst lernen, die Menschen intensiver zu be­trachten. Das, was du siehst, ist nur eine Hülle, eine Maske. Aber sie ist nie perfekt, immer ist etwas zu finden. Siehst du, wie er absichtlich zögert, wenn er sein Geld in die Hand der Bedienung legt? Er ge­nießt dabei die Be­rührung seiner ekelhaften Finger mit der weichen Haut ihres Handballens. Auf sei­nem bauernschlauen Gesicht stehen deutlich seine Gier und der Stolz, dass sie seinen Trick nicht durchschaut, geschrieben.«

»Erzählst du mir wirklich die Wahrheit?«, fragte ich er­neut. »Woher weißt du das alles?«

Jonas antwortete nicht, er lehnte sich nur wieder zufrie­den in seinem Stuhl zurück. Mir kamen Zweifel an seiner Auf­richtigkeit, denn er schien Freude daran zu haben, Ge­schichten zu erfinden. Ich fand es an der Zeit, das The­ma zu wechseln. »Du hast am Telefon gesagt, du würdest mich um et­was bit­ten wollen«, sagte ich, mich rechtzeitig daran erinnernd, dass wir uns nicht nur zu einem gemütlichen Glas Wein und einem Gespräch über Kunst getroffen hatten.

Ich zwang mich, ihn zu fixieren, konnte aber nicht ver­hindern, dass ich aus den Au­genwinkeln sah, wie der Halbblinde vorsichtig auf­stand und sich rem­pelnd und entschuldigend einen Weg hinaus suchte.  In der Nähe der Theke stolperte er und fiel unbeholfen um sich grei­fend gegen die Schülerinnen, die Jonas vorhin von unserem Tisch vertrieben hatte. War es wirklich nur ein Zu­fall? Mein Argwohn und meine Vorurteile waren ge­weckt. Ich hasste Nix und auch mich selbst dafür. Der Maler nahm einen völlig unbeteiligt einen Schluck von seinem Wein und sah nachdenklich an die Decke. Jetzt schien sein Hauptanliegen zu kommen; er zögerte sicht­lich.

»Ich will dich bitten, statt dir mich lesen zu lassen«, sag­te er dann ruhig und hob sofort beschwichtigend die Hände, um eventuelle Einwände im Keim zu er­sticken. Ich sah jedoch keinen Grund, ihn zu unter­brechen. Er hatte mich im Übrigen auch durch die plötzliche Wende in dem Gespräch sprachlos ge­macht. »Ich bin unver­schämt, ich weiß, aber ich hof­fe auf dein Verständnis, besser gesagt, eigentlich bin ich mir dessen sogar sicher. Denn wir kennen uns: Du weißt, dass ich mich seit Län­gerem mit einer Kunstaktion beschäftige, die die Öffentl­ichkeit auf­rütteln soll. Sie soll wirklich berühren und etwas bewegen. Das kann eben nicht in abgehobenen Intellektuellen- und Studentenkrei­sen stattfinden, wie die Aktionen zum Beispiel eines Nitsch, den ich allerdings durchaus als einen See­lenverwandten verstehe, wenn es darum geht, die Wahrheit zu sagen. Glaube mir, ich habe mich in der letzten Zeit weiterentwickelt. Du hast mir immer wieder mangelnde Konsequenz vorgeworfen, bist also nicht ganz schuld­los. Jetzt hast du die Möglich­keit, mir diese Konsequenz zu ermöglichen.«

»Was hast du vor?«, fragte ich endlich dazwischen, mir die trockenen Lippen befeuchtend. »Willst du dir die Stirn aufschneiden?« Nix schien den beleidigten Ton in meiner Stimme und meine nur schlecht un­terdrückte Wut nicht zu bemerken, denn er lachte nur.

»Aber nein,« erwiderte er amüsiert, »denkst du denn, ich plagiiere, reihe mich in die lange Reihe dieser Papa­geien ein, die wieder und wieder wiederholen, was Erfolg hatte? Ich habe zur Genüge eigene Ideen, sie drängen beständig in mir hoch, es gibt Tage und vor al­lem Nächte, an denen ich glau­be, ich würde gleich an ihnen ersticken. Weißt du vielleicht, wie das ist, wenn man um den Wert seiner Kunst weiß, sicher ist, Bedeu­tendes, Bleibendes schaffen zu können, in den Men­schen wirklich etwas bewegen kann? Und dann hängt man in dieser engen Provinz fest, in einer Provinz der selbstzufriedenen und satten Spießbürger, die alles Echte, Neue mit ihrer Gleichgültig­keit und ihrer Arroganz überdecken! Ich brauche die Chance, wirklich viele zu erreichen.« Er hat­te sich langsam in Begeisterung geredet.

»Und deshalb willst du mir meine Lesung wegneh­men?«, versuchte ich ihn zu bremsen, doch er überhörte meinen kleinen Einwurf großzügig.

»Egal. Ich werde die Menschen am Kragen packen und ihnen mit der Wahrheit solange ins Gesicht schlagen, bis sie sie fressen oder an ihr krepieren«, fuhr er lauter werdend fort. Die Leute an den ande­ren Tischen began­nen, sich nach uns umzusehen.

»Ich frage dich noch einmal: Was hast du denn über­haupt vor?« Ich erhob ebenfalls meine Stimme. Diesmal schaffte ich es, ihn ihn seinem Gedanken­gang zu unter­brechen. Er verstand mich allerdings falsch. Vielleicht wollte er mir aber auch nichts Kon­kretes von seinem Projekt verraten.

»Weißt du, warum so viele Menschen im Elend ver­hungern? In jedem Augenblick einer. Und nieman­den küm­mert es? Warum es den Hilfsorganisationen auch mit den aufdringlichsten Appellen nicht ge­lingt, mehr Geld aus den fetten Brieftaschen der Leute zu locken, als es über die allernötigste Gewis­sensberuhigung hin­ausgeht? Ich will es dir sagen: Weil Armut und Elend im­mer schmutzig sind. Offe­ne Schwären und Fliegen in den Augen verhungern­der und an entsetzlichen Krank­heiten krepierender Kinder ekeln jeden an. Das ist der Tod, das sind Ver­wesung, Gestank und Exkremente, Le­pra und die Pest, Eiter und Blut, damit will niemand et­was zu tun haben. Das will jeder vergessen, von sich schie­ben. Gut, dass Afrika und Asien so weit weg sind. Bald werden wir Mauern bauen, damit die Menschen von dort nicht zu uns kommen. Und die Alten und Kranken hier? Wir schließen sie in Heime und Verwahranstalten, sie stören das Stra­ßenbild. Der Ausnahmezustand Gesundheit ist nach Gottes Tod der einzige Götze, dem wir folgen. Deshalb ist uns der Bettler auf der Stra­ße so peinlich. Seine Armut kotzt uns an. Wir wollen ihr nicht begegnen. Und das ist mei­ne Aufgabe als Künst­ler: Ich muss die Menschen mit dem Verdrängten kon­frontieren. Ich muss ihnen zei­gen, wie dünn die Hülle ist, die jeden von uns von Armut, Krankheit und Tod trennt. Wie leicht platzt dieser schöne Schein. Deshalb brauche ich jede Öf­fentlichkeit und deshalb will ich dei­ne. Du wirst es verstehen.« Obwohl ich mich noch immer mit der Frage be­schäftigte, warum er mich in seinem Artikel und bei seiner Geschichte über den Halbblinden angelogen hatte und ich mir deshalb auch nicht sicher sein konnte, ob er mir jetzt einen Blick in seine wahren Intensio­nen gewährte, wirk­te er doch sehr überzeugend in seiner Erregung und ich konnte seinen Gedanken­gang auch nachvollziehen.

»Wer mit Ungeheuern kämpft, der sehe zu, dass er nicht sel­ber zum Ungeheuer wird. Und wenn du lan­ge genug in einen Abgrund blickst, blickt der Ab­grund auch in dich«, warf ich ohne weiteres Nach­denken ein. Nix sah mir forschend in die Augen.

»Wer hat das gesagt?«, fragte er betroffen.

»Nietzsche. Ich habe gerade was von ihm gelesen.« Für eine ganze Weile betrachteten wir uns nur. Of­fenbar hatte ich ihn wirklich überrascht.

»Was willst du mir damit sagen? Bin ich denn für dich ein Ungeheuer?«, hakte er nach. Er zog sich da­bei seine Maske mit dem freudlosen Lächeln über. Ich zuckte mit den Schultern und bereute bereits mein spontanes Zitat. Aber es gelang mir nicht, mei­ne Meinung mit anderen Worten deutlich zu ma­chen. Wie konnte ich mich ihm überhaupt verständ­lich machen? Da saß er mir gegen­über, wartete über­legen auf meine ihm selbstverständli­che Zustim­mung, da ja alles, was ich tat, gegen die Weltbedeu­tung seiner Berufung von keinerlei Inter­esse war. Ich gehörte nur zur Masse – untalentiert und überflüssig, wie ich seiner Meinung nach war. Ich durfte einem so wichtigen Mann wie ihm nicht im Wege stehen. Da hatte ich erneut das Gefühl, als tauche in sei­nen Zügen der kranke, größen­wahnsinnige Mes­sias auf, der für seine Hirngespins­te über Leichen geht; der Hitler.

Dieser Gedanke machte mich so wütend, dass ich mir überlegte, ob ich ihm mein Bier in das selbstzu­friedene Gesicht schütten sollte. Da ich mich jedoch nicht auf Fa­velkas Niveau erniedrigen wollte, griff ich nur ruhig nach meinem Geldbeutel, warf meine Zeche auf den Tisch und stand auf. »Für wie wichtig hältst du dich eigentlich? Du hast doch schon längst alle Öffentlichkeit, die du willst. Du hast Erfolg, bist auf dem Wege, eine Berühmt­heit zu werden. Die Ruhmeshalle steht dir offen. Mein Gott, Jo­nas! Syd­ney interessiert sich für dich, wenn das kein Pu­blikum ist! Und was ist mit mir? Warum willst du aus­gerechnet mir diese kleine An­erkennung nehmen, die ich mir ver­dient habe?« fragte ich ihn verwzeifelt, auch wenn ich wusste, er würde mich nie verstehen. Er war in der Tat über­rascht. Meine Ablehnung muss­te ein Welt­bild in ihm zerstören.

»Heißt das etwa, du sagst Nein? Habe ich dich richtig verstanden?«, fragte er, denn noch wollte er lieber darauf beharren, dass er sich ver­hört hatte. Er hätte nicht fassungsloser sein können, wenn ich ihm ins Gesicht geschlagen hätte. Ich wandte mich mit bemühter Ruhe zum Gehen:

»Ich kann es noch deutlicher sagen. Das heißt: Leck mich am Arsch!« Jetzt genoss ich meinen Abgang. Den­noch hatte Nix das letzte Wort.

»Das wird dir noch leid tun«, rief er drohend hinter mir her. Ich zuckte erneut mit den Schultern und war froh, dass unsere Auseinandersetzung zum Schluss nicht auch noch handgreif­lich ge­worden war. Draußen vor der Tür stand der halbblinde Mann und hielt jedem Vorbeigehenden einen Zettel hin, auf dem, mit einer zittrigen, unleserlichen Handschrift geschrieben, zu lesen war, ob man ihm nicht zwei Mark leihen könne. Und weil er nichts sah, verdeckte er mit dem Daumen beinahe den ganzen Satz.

[Fortsetzung nach meinem Pfingsturlaub …]

Ein Kommentar

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Der Weg, der in den Tag führt, Teil II: Pardais – 1. Kapitel (2)

[Zum ersten Teil …]

Der Weg, der in den Tag führt
Teil 2: Pardais

»Doch der hochberühmte Koch war wie alle Küchenbeys dem von der Allerbarmerin verfluchten Laster der Trunksucht verfallen, das ihn dann nur wenige Zeit später vernichtete. Ein Fass dunkles, schäumendes Bier aus dem fernen Danmark ließ ihn dann endlich weich werden und doch in den Handel mit Aismek einwilligen. Es war sein Verhängnis. Aber die Geschichte des verhexten Fasses ist eine weitere Geschichte nach der Geschichte und ich will sie euch an einem anderen Tag erzählen. Irta jedenfalls, die ihr ihr Glück kaum fassen konnte, durfte den Bauch des Elfenbeinernen Palastes verlassen und in die von den Eunuchen streng bewachten Frauengemächer ziehen, die sich in den luftigsten, aber auch den abgelegensten Räumen des Herrschersitzes befinden. Doch glücklich wurde Irta auch im verbotenen Serail nicht.

Nachdem sie sich rasch eingewöhnt hatte, gingen ihr die Arbeiten dort zwar leicht und schnell von der Hand, aber obwohl sie den Gattinnen und Gespielinnen des Namenlosen bald mehr eine Freundin als eine Dienerin war, erschienen ihr die Tage in den Frauengemächern endlos, öde und ihr war die meiste Zeit ganz entsetzlich langweilig. Aber immerhin wurde sie nun besser entlohnt und musste von ihren sauer verdienten Denires nichts mehr für Kost und Logis abgeben. Ihr Beutel mit den Kupfermünzen schwoll langsam aber stetig an. Sie hauste nun auch nicht mehr in einem großen, schmuddeligen Schlafsaal wie in der Küche, sondern hatte ihr eigenes, allerdings winziges Zimmerchen, das mehr ein begehbarer Wandschrank als ein Raum war. Aber es gehörte ihr ganz allein und besaß sogar ein kleines Fenster, durch das Irta hinunter in einen Palastgarten und in den langen Nächten von ihrem Lager am Boden aus munter die Sterne über dem Südmeer funkeln sehen konnte. Einmal im Monat durfte sie auch noch vor Morgengrauen für einen Tag den Harem und den Palast verlassen und ihre Familie in der Stuhlwebergasse besuchen. Diese dreißig Tage lang herbeigesehnten und kostbaren Stunden bedeuteten Irta mehr, als ihr euch vorstellen könnt.

So verging ohne Abwechslung und Veränderung ihrer Lage beinahe ein Jahr und hätte nicht ab und an der treue Aismek das eine oder andere Buch mitgebracht und sich auf eine Partie Dakmak zu ihr gesetzt, wäre sie wohl umgeben von stummen Eunuchen, grazilen Schönheiten, Wohlgerüchen, erlesenen Stoffen und Spezereien und den zarten Klängen der Leierspielerinnen wie ein Zeisig in einem zu kleinen Käfig vor Langeweile eingegangen.

Der Namenlose besuchte seinen Harem während dieser Zeit kein einziges Mal. Wie ihr sicherlich wisst, hatte ihn ein Sturz von seinem liebsten Reitpferd in seine frühe Kindheit zurückgeworfen und er besaß nun das Gemüt und die Geisteskräfte eines dreijährigen Knaben. Die Regierungsgeschäfte führte sein guter Onkel Bathu für ihn und „Erquickende Wüstenoase“ saß sabbernd und kichernd auf dem Falkenthron und ließ sich von Muhar, dem Märchenerzähler, Abenteuergeschichten mit Drachen und kühnen Helden vortragen. Der rasche und für die meisten auch überraschende Tod von „Wüstenoase“ ein paar Jahre später war wohl eine Gnade der Allerbarmerin und beschenkte uns alle mit der milden und segensreichen Regierung seines Sohnes, des „Unterwerfers“, der just einen Tag vorher volljährig geworden war und damit auch nicht mehr die Führung seines Großonkels Bathu benötigte.«

Der bissige Tonfall hatte die letzten Worte von Sirtis Lügen gestraft, doch nun gehorchte sie der Sitte der Märchenerzähler, nach einer Erwähnung des regierenden Bişra eine Pause einzulegen. Sie wartete geduldig die unvermeidlichen Lobpreisungen und Trinksprüche auf das Wohl des „Unterwerfers“ ab. Schließlich hatte der Vezir Ómer überall seine Augen und Ohren und kannte einige exquisite Folterinstrumente für diejenigen, die abfällig über ihren Herrscher redeten oder schwiegen, wenn es an der Zeit war, ihm bejubeln. Dann fuhr Sirtis fort, von ihrer Schwester zu erzählen:

»Was die Frauen des Bişra vielleicht erleichtern mochte – wir wissen nicht, was in ihnen vorging -, betrachtete die quirlige Irta beinahe wie eine Strafe und ihr Hauptbeschäftigung neben der Pflege und dem Waschen der Haare und Körper ihrer Herrinnen, ihnen mit einem Palmblatt Kühle zuzufächeln oder ihnen Konfekt zu reichen, war es, die Tage und Stunden bis zu ihrem nächsten Urlaubstag zu zählen und sich in der Nacht durch ihr schmales Fenster zu lehnen und die Sterne anzuseufzen. Um das recht hohe Fensterchen zu erreichen, stellte sie sich auf einen Hocker und quetschte ihren Oberkörper ins Freie. Doch in einer Nacht bemerkte sie, dass sie von dem Garten unter dem Serail aus dabei beobachtet wurde, wie sie ihren Kopf und ihre Schulter durch den engen Fensterrahmen zwängte und ihre Sehnsüchte flüsternd der Dunkelheit anvertraute.

Sie hatte in dem Schlagschatten eines Baumes eine Bewegung gesehen und stieß erschrocken einen Schrei aus. Sofort schritt ein auffallend großer, muskulöser und hellhäutiger Mann aus der Finsternis halb in das Licht, das aus den Fenstern des Harems in den Garten fiel. Er trug fremdländische, selbst für eine kalte Wüstennacht viel zu warme Kleidung und eine hässliche Fellkappe auf seinem kahlen Schädel. Obwohl Irta ihm noch nicht begegnet war, wusste sie sogleich, um wen es sich bei dem nächtlichen Störenfried handelte. Es war Raul, der junge lamargische Prinz, der sich mit seinem Vater Yves III. samt großem Gefolge zu Verhandlungen mit dem Regenten in Karukora aufhielt. Die fremdländischen, exotischen Fürsten und ihre barbarischen Begleiter waren in diesen Tagen das Gesprächsthema der gelangweilten Frauen des Bişra. Es konnte sicher nur ein Zufall sein, der Raul, der in Irtas Alter war, aus seinem ein paar Stockwerke tiefer gelegenen Gastquartieren hierher in diesen gut versteckten kleinen Park unter ihr Fenster geführt hatte, aber es war doch eine flegelhafte Unverschämtheit von ihm, sich so lange nicht bemerkbar zu machen und sie heimlich bei ihrem Kummer zu beobachten. Mochte die Tränenreiche wissen, wie viele der Seufzer der jungen Dienerin er erlauscht hatte!

Wütend auf den Voyeur und auch voller Scham wollte Irta eilig ihren Kopf zurückziehen und die Fensterläden vor ihrer Kammer schließen, aber der Hocker, auf dem sie stand, rutschte ihr durch die heftige Bewegung unter ihren Füßen weg und so steckte sie plötzlich im Rahmen fest, konnte für den Moment weder vor- noch rückwärts. Der Prinz, der von ihrer misslichen Lage nichts mitbekam, wollte die günstige Gelegenheit nicht verstreichen lassen.

»Warte, du Schöne!«, rief er und trat vollständig aus seinem Versteck, kam ganz nah an die Mauer des Serails heran. Wusste Raul, in welcher Gefahr er schwebte? Würden ihn jetzt die Eunuchenwachen entdecken, die misstrauisch den Harem des Namenlosen bewachten, dann würde er zweifellos an Ort und Stelle seinen Kopf verlieren und von Neuem der Krieg zwischen Karukora und der Lamargue ausbrechen. »Fürchte dich nicht vor mir.«

Irta zappelte hilflos mit ihren nackten Beinen in der Luft und versuchte angestrengt, sich mit ihren Händen abzustützen und sich nach innen zu schieben. Raul deutete ihren Gesichtsausdruck falsch.

»Ich werde dir nichts tun“, versuchte er sie zu beruhigen. Irta stieg vor Anstrengung das Blut in den Kopf und sie war froh über die Schatten der Nacht, die ihr peinliches Erröten verbargen. Sie warf dem Prinzen einen, wie sie hoffte, vernichtenden und strafenden Blick zu, doch anstatt betroffen zurückzuweichen, trat er ermutigt über ihr Verbleiben direkt unter ihr Fenster, ohne sich um die duftenden Blumen zu kümmern, die auf dem Beet unter seinen Füßen wuchsen. Er trampelte achtlos hinein. Obwohl Irtas Kammer fast ein Stockwerk über dem Boden des Beets lag, war er so groß, dass er sie nun hätte berühren können, wenn er seine Arme nach oben gestreckt hätte. Ein Lichtstrahl viel auf sein Gesicht und Irta stockte der Atem – nicht, weil ihr der Fensterrahmen auf die Brust drückte, sondern weil Raul sie aus seinem ebenmäßigen und edlen Gesicht so liebevoll musterte, als erblicke er das Wertvollste auf der Welt.

[Zum 3. Teil …]

Der Beginn der spannenden Geschichte:

Der Weg, der in den Tag führt
Teil I: Karukora

Als Taschenbuch oder günstiges E-Book,
380 Seiten, illustriert

Ein Kommentar

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Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren III – Ein phantastischer Roman (Teil 15)

[Zum 1. Teil]

Obwohl ich nächsten Morgen an Armen und Bei­nen mit dem schlimmsten Muskelkater meines Le­bens erwachte und ich an diesem Abend so er­schöpft wie noch nie war, schlief ich nicht sogleich ein, sondern lauschte noch in einem halb bewusstlosen Dämmerzustand eine Weile den Märchen von Fedor. Er saß vor unserem Stockbett auf der Bank und höhlte nebenbei mit seinem geschärften Löffelstiel den Fingerknochen eines Tieres zu einem Mundstück für seine Zigaretten aus. Er hatte das Elfen­bein dafür heimlich auf dem Grabungsfeld eingesteckt und es wie auch seine neue Waffe an der nur oberfläch­lichen Untersuchung am Lagertor vorbeischmug­geln können. Er war nicht der einzige, der von dort unten Souvenirs mitbrachte und sie dann – oft zu kleinen Kunstwerken geformt – als Handelsware auf dem florierenden Lagerschwarzmarkt ein­tauschte. Nicht nur das Elfenbein, sondern auch das zerschmolzene Plastik, die Glasstücke und in erster Linie die ungewöhnlichen metallischen Reste waren hochbegehrt, wie ich in der nächsten Zeit feststellen konnte, denn die letzteren waren aus einer extrem hitzebeständigen und har­ten Legierung, für die sich viele Zwecke und Inter­essenten auch außerhalb des Gulags fanden.

Eine der morbiden Sagengeschichten von Fedor, die er an jenem Abend erzählte, ist mir lebhaft in der Erinnerung geblieben. Ich musste später oft an sie denken:

„Da lebte vor vielen, vielen Jahren, als die Welt noch jünger und unschuldiger war, eine alte Frau am Ufer eines heute ausgetrockneten Sees. Sie hieß Ulti, die Wunderschöne. Doch niemand kannte mehr ihren Namen und sprach ihn aus. Sie hauste ganz allein in ihrer windschiefen Hütte, obgleich ihr Volk, das einmal starke Kriegerinnen und viele weise Zauberinnen hervorgebracht hatte, einst so zahlreich gewesen war, dass die Rücken ihrer Büf­felherden die Ebenen schwarz färbten. Sie war die letzte ihres Stammes. Ihr einst so mächtiges Dorf war zerstört und die vielen, vielen Menschen, die darin gewohnt und die Tiere, die sie gehalten hatten, lagen alle unter dem Leichentuch des ewigen Schnees begraben.

Schon seit einem Jahr und einem Tag hatte Ulti keine feste Speise mehr zu sich genommen und sie wurde von Tag zu Tag schwächer. Der Weg zum Ufer des Sees, aus dem sie ihr Trinkwasser schöpf­te, erschien ihr mit Morgen, der sie weckte, länger und beschwerlicher zu werden und ihr Krug schwe­rer.

Als sie an diesem Morgen wieder einmal Wasser holen ging und ihren Krug in den See tauchte, war zu ihrer Überraschung das geschöpfte Wasser in ihm weiß wie Milch. Es schmeckte bitter und nach den Kernen der Früchte der wilden Zwetschgenbäume. Wahr­scheinlich war das Wasser des Sees von der Laich eines dort schwim­menden, mächtigen Fisches verunreinigt. Doch die Alte scherte sich nicht darum und tatsächlich tat ihr dieser weiße Trunk wohl und sättigte sie. Voller Hoffnung ging sie zurück zu ihrer Hütte und schlief dort einen erholsamen Traum.

Die Alte, deren Lebensgeister wieder erwacht wa­ren, ging am nächsten Morgen gestärkt zum See. Sie war neugierig, was ihr wohl heute dort begeg­nen würde. Und vom Ufer aus erblickte sie zum ersten Mal den Fisch. Er war ein gewaltiges Tier, so groß wie ein Wal des Nordmeeres und er trug auch ein einzelnes, spitzes Horn auf seinem Kopf. Sein mächtiger grauer Leib glänzte wie Quecksilber und riesige Flossen wirbelten das weiße Wasser auf und machten es schaumig. Als die Alte eben neben die­sem Fisch eilig ihr Wasser schöpfen wollte, er­schrak sie, denn plötzlich erhob sich aus dem Milchwasser die Hand eines neugeborenen Kindes. Gedankenschnell ergriff Ulti den in die Höhe ge­streckten Arm und entriss den nackten Säugling dem wütend schäumenden See. Sie wich im letzten Augenblick vor dem gierig nach ihr schnappenden Fisch zurück und drückte den herzzerreißend schreienden kleinen Jungen gegen ihre Brust, bis er dort erschöpft einschlief.

Die Alte nahm den Jungen mit nach Hause und fütterte ihn mit der weißen Milch aus dem Wasser. Was blieb ihr auch anderes übrig? Sie konnte sich nicht erklären, wie und warum der Säugling so plötzlich in dem See aufgetaucht war. Hatte der Fisch seine Eltern ge­fressen und war er wie sie selbst der letzte Überle­bende seiner Sippe? Irgendetwas erschien Ulti an dem Jungen, dessen Augen in goldenem Licht glänzten, seltsam und sie machte in der darauffol­genden Nacht kein Auge zu, beobachtete das unbe­holfen in seinem Strohbett strampelnde Kind und hätte gerne eine der Priesterinnen ihres Stammes um Hilfe gebeten. Doch die weisen Frauen vermoderten längst schon alle in ihren kalten Gräbern. Ulti fühlte sich zu alt und zu schwach, um ein Kind aufzuziehen. Doch ihr Mitleid mit der hilflosen Kreatur war groß und so nahm sie denn diese Aufgabe ohne zu Mur­ren an; eine Aufgabe, die ihr, wie sie glaubte, ein Gott übergeben haben musste.

Ihr Gefühl hatte Ulti nicht betrogen: Der Kleine war ungewöhnlich und anders als alle Säuglinge, die sie je erlebt hatte. Bereits nach drei Monaten war er gewachsen wie andere Kinder in drei Jah­ren, konnte schon allein von der Seemilch trinken, gehen, tanzen und Ultis Namen sagen. Sie lachte und war stolz auf ihr Kind aus dem See.

Eines Morgens jedoch, nach einer kalten Nacht, erwachte die Alte nicht mehr. Der Junge mochte sie rütteln, wie er wollte, immer wieder weinend ihren Namen rufen, versuchen, sie mit seinen aus­gelassenen Sprüngen wie früher zum Lachen zu bringen – sie bewegte sich nicht mehr und begann schon am nächsten Tag zu stinken. Da ging der Junge, der inzwischen bereits wie ein Zehnjähriger aussah, weg. Er wusste nicht, wohin er sich wen­den sollte und glaubte auch, er wäre nach dem Tod der alten Ulti der einzige Mensch auf der Welt. Deshalb begann er, um den See herum zu wandern, den er für den Mittelpunkt der Ewigkeit hielt. Weiterhin er­nährte er sich vom steifen Schaum, der an das Ufer ge­schwemmt wurde und der Milch, die er direkt aus dem Wasser des Sees schluckte.

Am vierten Tag seiner Wanderung stieß er unweit des wilden Flusses, der über einen gewaltigen Wasserfall den See speiste, auf drei Zelte, in de­nen drei Männer saßen. Sie nahmen das Kind, das sie Siosiku, das heißt „Schaum“, nannten, bei sich auf und er lebte viele Monate bei ihnen. Die drei Männer, die Epa, Ligo und Syhn hießen, waren Jä­ger und Fischer und zogen mit einer kleinen Herde Elchkühe durch die Tundra. Sie folgten den Ster­nen und dem Wild, das sie jagten und sie waren so furchtlos, dass sie sich bis zu dem unheimlichen See vorgewagt hatten, den jedermann sonst ängstlich mied. Hier gefiel es ihnen, denn die Männer gehör­ten einem uralten Volk von Halbmenschen an, das überall, wo Samojeden wohnten, verspottet, verjagt und gemieden wurde, weil sie seltsam verwachsen waren und das eine Auge in der Mitte über den Au­genbrauen, das andere nahe am Mund hatten. Es hieß überall, sie würden Unglücke und Seuchen bringen.

Ein in Eisen und Leder gekleidetes, aber  herrlich gewachsenes und unbeschreibbar schönes Mädchen mit langen, schwarzen Haaren lebte bei ihnen. Ihr Körper duftete so frisch und betäubend wie die Steppe im Frühsommer und jeder, der ihr begegnete, verliebte sich auf der Stelle in sie. Sie war ein Findelkind wie Siosiku und sie nannte sich Tesjasika. Sie begleitete die Männer schon seit ihrer frühen Kindheit und kümmerte sich um sie. Tesjasika wusch die Kleidung, suchte nach essbaren Wurzeln und Beeren. Sie molk die Rinder, nahm die Jagdbeute aus, gerbte das Leder und bereitete den Männern und nun auch dem jungen Siosi­ku das Essen, der zum ersten Mal andere Dinge als seine Milch zu sich nahm. Tesjasika schlief in jeder Nacht in ei­nem anderen der drei Zelte, doch obwohl sie eng bei Epa, Ligo und Syhn lag, wurde sie niemals von den drei Jägern schwanger. Siosiku, der inzwi­schen zu einem jungen und starken Mann herange­wachsen war, begehrte das Mädchen, aber sie ver­weigerte sich ihm und mied ihn, so weit ihr das möglich war, denn er war ihr unheimlich.

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[Zum 16. Teil …]

Ein Kommentar

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Die Wahrheit über Jürgen – Ein Künstlerroman (Teil 24)

[Zum ersten Teil]

»Werde nicht übermütig. Vergiss nicht, dass auch Mar­kus Wimperle liest. Dieser Papagei kann schon jetzt da­mit beginnen, das Preisgeld auszugeben – so sicher ist es, dass er gewinnen wird.«

»Selbst wenn Nikolaus Klammer in der Jury sitzt?«

»Klammer? Ich würde nicht allzu viel von ihm er­warten. Wenn es darauf ankommt, zeigt er sich als Oppor­tunist. Er kann sich auch nichts anderes leis­ten, nach­dem er vor fünf Jahren …« Er stockte. »Du kennst die Geschichte?« Ich schüttelte den Kopf. »Egal. Außerdem hat auch Klammer nur eine Stim­me. Neben ihm sind noch sieben weitere in der Jury. Darun­ter auch Gabriele Hedracher.« Ich pfiff durch die Lip­pen.

»Die ostdeutsche Schriftstellerin?«

»Gibt es denn noch eine andere? In ihrer Eigen­schaft als sporadische Unidozentin und Ehrenvorsit­zende des Augsburger Lehrstuhls für Germanistik bringt sie wirklich Glanz in die Veranstaltung, die auf diese Weise einen überregio­nalen Charakter bekommen hat und in diesem Jahr groß aufgezogen wird. Dass die Hedracher den Vorsitz eines Provinzliteratur­preises übernommen hat, dafür werden sich viele Zeitungen interessieren. Was meinst du, war­um die Follia-Werke ausgerechnet jetzt ihr großes Herz für die Literatur entdeckt haben?«, erklärte Nix und lehnte sich gemütlich zurück.

Das waren Neuigkeiten, die erst einmal verdaut sein wollten. Gabriele Hedracher ist zwar neben Autoren wie Blat­ter, Rosendörfer oder Kirchhoff nur ein Name aus der zwei­ten Liga der Literaten, aber sie war eine jener Personen, die fleißig Bü­cher und Artikel veröffentlichen, wirk­lich von breiteren Schichten gelesen werden und von ihrer Kunst gerade so nicht leben können – weshalb sie nebenzu einem Brotberuf nachgehen. Die Bü­cher der Hedracher sind sicher keine zeitlosen Meis­terwerke, aber sie sind hand­werklich sauber, unterhaltsam und modern und finden in erster Linie in den Neuen Bundesländern viele Leser. Ihren Namen führen viele an, wenn sie von zeitgenössischer deutscher Literatur reden. Deshalb hatte Nix recht: Die diesjährigen Le­sungen waren in der Tat etwas Besonde­res. Die Hoffnung kehrte zu mir zurück. Vielleicht hatte ich mit meinem doch recht konventionell erzählten Erst­lingswerk den Ton getroffen, der der Thüringerin gefiel.

»Da darf ich lesen!«, staunte ich. Nix beugte sich wie­der zu mir.

»Deshalb wollte ich mit dir reden. Ich habe eine große Bitte an dich und ich hoffe wirklich, du wirst für sie Verständ­nis haben und zustimmen. Seien wir ehrlich: Dein kleiner Text ist nun wirklich nichts Besonderes und keine Konkurrenz für die ande­ren, die richtigen Autoren. Ich glaube, Klammer hat dich aus­gewählt, weil er es immer genießt, jemanden in der Öffentlichkeit zu bla­mieren. Mich wundert nur, dass er sich mit dir gemein­sam nach vorn wagt, schließ­lich hat er dich ja vorge­schlagen«, sagte Nix leicht­hin; vielleicht ohne vollkommen zu ahnen, was er mit diesen Worten in mir auslöste. Ich hatte tausend Antworten und beleidigte Einwürfe auf der Zun­ge, aber ich war für den Moment nicht fähig, sie zu arti­kulieren. Deshalb blieb ich stumm und lauschte auf Nix Aus­führungen, gespannt, was er wirklich von mir woll­te. Er nahm mein Schweigen fälschlicherweise als Zu­stimmung; das merkte ich ihm an. Dass jemand nicht seiner Meinung sein konnte, lag auch außerhalb seines Vorstel­lungsvermögens. Das passte nicht in sein Weltbild. Sein überlegenes Lächeln verließ für keinen Augenblick seine Mundwinkel, während er seine Idee erläuterte, während er umständlich begann, mir seine Idee zu erläutern.

»Vielleicht überrascht es dich, aber ich kenne deine Er­zählung. Mein Großvater hat mir seine Kopien der ein­gereichten Werke gegeben. Er wollte meine Meinung. Ich war sehr neugierig auf deine Geschich­te und bin wirklich enttäuscht, weil ich mehr von dir als diese plat­te Pubertätsmoritat erwartet hatte. Ich gebe dir den gu­ten Rat, bei deinen Gemälden zu bleiben. Manche von ihnen haben etwas … Echtes, Persönliches; ein Ge­fühl und einen Geschmack, die sie ein wenig aus der Masse der anderen Bilder heben.« Er dachte kurz nach, während ich dieses vergiftete Kompliment verdaute. »Um ein guter Literat zu werden, müsstest du es lernen, die Menschen näher zu betrach­ten. Und nicht nur dich selbst.«

»Du denkst also, ich hätte eine schlechte Beobach­tungsgabe?«, erwiderte ich eingeschnappt, gleichzeitig auch er­leichtert. Er hatte offenbar nicht bemerkt, dass ich über ihn geschrieben hatte.

»In der Tat. Und ist es nicht mithin die wichtigste und zugleich dankbarste Übung für jeden Künstler, Men­schen zu beobachten?« Obwohl Jonas seine Feststellung als Frage formulierte, schien er keine Erwiderung von mir zu erwarten. Ohne es zu wollen oder noch verhindern konnte, entwischte mir ein breites und überhebliches Lachen. Endlich, dachte ich, weiß ich ein­mal etwas besser als du.

»Die Menschen sind doch in unseren Tagen unin­teressant geworden. Es gibt einfach zu viele. Und je­der sagt und tut immer wieder das selbe wie alle an­deren. Kennst du einen, kennst du alle.« Nix nickte, als habe er diesen Einwand von mir erwartet.

»Ganz, wie du es sagst. Du sollst recht haben«, ent­gegnete er und für einen Moment klang er, als wür­de er mit einem Kind reden, »aber du und ich, wir sind ein Teil dieser Masse. Wir können ihr nicht ent­kommen. Wir können sie nur führen. Manchmal be­schleicht mich der Verdacht, das einzige originäre Empfinden, das sich in den letzten, sagen wir, zwan­zig Jahren entwickelt hat, ist der Vojeurismus – der neugierige Blick auf den ande­ren. Selbst beobach­ten, ohne beobachtet zu werden, das ist doch spätes­tens seit der Einführung des Privatfernseh­ens und dieser merkwürdigen neuen Erfindung des Internets, frühestens seit der gesellschaftlic­hen Tolerierung der Pornografie eine eingeübte, akzep­tierte Verhaltensweise von uns allen. Es gibt nichts In­teressanteres zu sehen, als die von der Norm ab­weichenden Handlungen und Emotionen eines ande­ren. Sonst haben wir doch bereits alles gesehen. Das Kamer­aauge war an jedem Punkt im Makro- oder Mikrokosm­os. Wenn ich will, kann ich Innenaufnah­men von mei­nem eigenen Dünndarm machen lassen und mir als gerahmt­es Bild über mein Bett hängen.« Er machte eine Pause, schürzte die Lippen. Ich hielt seine Ausführun­gen für etwas zusammenhanglos und wahrscheinlich empfand er ähnlich. »Wir haben die Dinge unserer Umgebung und der Na­tur durch die fotomechanische Abbildung getötet, die Originale durch Kopien ersetzt«, fuhr er präzisie­rend fort. »Nur durch die Begegnung mit Menschen, durch ihre Nutzung, treten sie für einen Moment ins Leben, sonst sind sie tot – tot und sterbenslangwei­lig.« Jonas stockte und nickte mir verschwörerisch zu. »Nach so viel Theo­rie gebe ich dir einen Beweis. Schau doch mal zum Ne­bentisch.«

Ich sah schnell zur Seite. Dort saß ein Mann in einem für mich un­definierbarem Alter vor eine Tasse Kaffee. Er war erschre­ckend dünn und seine Wangen eingefallen. Sonst wirkte er auf den ersten Blick nicht weiter auffällig, einzig die grotesk di­cken Brillengläser, die, etwas herabgezo­gen, schwer auf den Nasenflügeln lasteten, waren bemerkenswert. Er blickte stumpf auf die niederge­rauchte Zigarette in sei­ner Rechten und schien völ­lig in Gedanken versun­ken. »Der Mann ist gefahrlos zu beobachten«, erläuterte Jo­nas leise. »Er besitzt das Gesichtsfeld eines Maul­wurfs. Aber er hat gute Ohren.«

Ich sah genauer hin. Auf den zweiten und dritten Blick war zu bemerken, dass die Sehbehinderung des Mannes nicht seine einzige Abnor­mität war. Er hatte einen nervösen Tick und hob immer wieder flatternd einen Nasenflügel. Und er hatte den Tragegurt einer großen Umhänge­tasche um den Hals, sie selbst ruhte auf seinen Oberschenkeln. Die Tasche fiel mir erst jetzt auf, weil er, die Füße angezogen, mit krummem Rücken halb über ihr kauerte. Was sie auch immer ent­hielt, es schien ihm so wichtig zu sein, dass er es mit sei­nem Körper schützte. Er war nicht allzu sauber und für das mo­mentan sommerlich warme Wetter viel zu warm gekleidet. Die Bedienung trat neben ihn und drückte ihm ei­nen kleinen Zettel mit seiner Rechnung in die Hand. Der Mann zuckte erschrocken zusammen, aus seiner Ver­sunkenheit gerissen, befühlte er einen Augenblick zwei­felnd das Papier, dann hob er es zu seinen Au­gen. Um die Zahlen entziffern zu können, musste er mit einer Hand die Brille in die Höhe schieben, mit der anderen den Zettel direkt gegen seine Augen drücken, sich dabei gegen das Licht wendend.

Ich bemerkte, dass ich diesen extrem kurzsichtigen Mann wie eine ausgestellte Monstrosität begaffte und schämte mich plötzlich. Ich sah zur Seite. Doch Jonas packte mich am Arm.

[Zum Teil 25 …]

Ein Kommentar

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Der Weg, der in den Tag führt, Teil II: Pardais – 1. Kapitel (1)

[Zum ersten Teil …]

Der Weg, der in den Tag führt
Teil 2: Pardais

Kapitel 1
Eine Nacht in der Karawanserei

»Auf diese Weise verdingte sich meine Schwester Irta schließlich am Hof des Namenlosen Herrschers und sie war eine niedrige Dienerin unter tausend anderen und doch eine ganz besondere.«

Das große Feuer im quadratischen Innenhof der Alhasra-Karawanserei vor dem Nordtor von Karukora war beinahe erloschen. Längst flackerten und glommen die letzten Glutnester der niedergebrannten Holzscheite und Briketts aus gepresstem und getrocknetem Kamel-Dung in dunklem orangefarbenen Schein, als wäre an dieser Stelle die Erde kreisrund aufgebrochen und als würde ihr Brand aus dem Inneren an die Oberfläche emporquellen und einen Lavasee bilden. Wenn der Herbergsvater Hüsëttin ab und an mit seinem langen eisernen Haken in der Glut wühlte und rührte, um sie noch einmal anzufeuern, dann sprühten nur noch wenige Funken in die Höhe und tanzten bis zu ihrem schnellen Verlöschen über den Häuptern der Versammelten. Doch keiner von den reisenden Kaufleuten, ihren Dienern und Sklaven dachte daran, dass er am frühen Morgen vor Sonnenaufgang wieder aufstehen musste und es langsam ratsam wurde,  sich zur Nachtruhe zu begeben. Auch die Beschäftigten des Rasthauses wollten  noch nicht an das Ende dieses Abends glauben. Man rutschte nur näher heran an die in sich zusammenfallenden glühenden Holzkohlen, deren Hitze immer schneller von der Kälte der Nacht geschluckt wurde und die Flaschen mit wärmendem Geist wechselten häufiger ihre Besitzer. Wie Verdurstende hingen alle an den Lippen der aufgeschwemmten, älteren Frau, die bei Sonnenuntergang mit einem schwerbeladenen Eselskarren in die Karawanserei gekommen und die ganz offensichtlich eine Bewohnerin des Juwels der Wüste war. Sie war freilich niemand anderes als Sirtis, die wohlgenährte und immer gutgelaunte Tochter des Märchenerzählers Alis.

Sirtis hatte sich in der Alshasra mit einem unscheinbaren Mann getroffen, der kurz nach ihr von Karus her auf dem Kutschbock eines von zwei Maultieren gezogenen Kaufmannswagens in den Hof gefahren war und sein Gefährt neben ihren Karren gestellt hatte. Der von Hüsëttin misstrauisch beobachtete und durchaus etwas suspekt wirkende kleine Kerl war bestimmt nicht der Besitzer des schönen und offenbar gut mit Waren gefüllten Wohnwagens, der eindeutig eine Fertigung aus den Oststädten war, sondern sicherlich nur dessen Diener. Halb unter einer Kappe verborgen, zierte eine tiefrote Rosentätowierung seine Männerglatze, die ihn als einen Sklaven aus den verlorenen Ländern von jenseits des Südmeers kenntlich machte. Er hatte der dicken Frau nur leichthin zugenickt und sich dann um seine Tiere gekümmert. Selbstverständlich waren diese beiden auffallenden und außergewöhnlichen Gäste der Alhasra-Herberge sofort von einem Haufen Neugieriger umringt worden, die alle darauf brannten, ihr Woher und ihr Wohin in Erfahrung zu bringen.

Tonino, wie der schweigsamen Mann hieß, blieb so beharrlich stumm, als hätte ihm ein Al‘kadi einmal die Zunge herausschneiden lassen und knurrte nur abweisend, wenn er angesprochen wurde. Das war auch für den Diener eines Kaufmanns ungewöhnlich, denn ein guter Händler und sein Gefolge verkauften ja nicht nur Waren aller Art, sondern immer auch Neuigkeiten, Nachrichten, Gerüchte und Geschichten. Die Feuer der Karawansereien waren eine Börse, an der Worte und Geschichten gehandelt wurden. Dafür war die Frau umso gesprächiger. Sie strahlte jeden lachend und scherzend mit ihren wundervollen, weißen Zähnen an und lud bald alle auf eine gegorene Ziegenmilch ans Hauptfeuer, das der Herbergsvater in der schnell heraufziehenden Abenddämmerung entfacht hatte und sie versprach, dort alle Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Und das saßen die Frau und die ganze Karawanserei auch lange nach Mitternacht noch beisammen und sie hielt alle mit ihren Märchen in Atem. Sogar Tonino hatte sich nach einer Weile zu ihnen gesellt und lauschte aufmerksam, auch wenn auf seinen düsteren Gesichtszügen keine Regungen zu sehen waren, die erkennen ließen, ob er die Geschichten ablehnte oder sie ihm gefielen.

Ja, das Talent von Sirtis Dabinighi war dem ihres Vaters Alis wahrhaft würdig, obwohl die Tochter niemals seinen Beruf ergriffen und ihre Märchen vor einem zahlenden Publikum erzählt hatte, weil sie sich schon als junge Frau in ihr Schicksal ergeben hatte, Alis‘ Haushalt führen zu müssen und ihren verwaisten Neffen Selin großzuziehen. Sie hatte nicht umsonst seit ihrer frühen Jugend zu den Füßen ihres Vaters gesessen, wenn er auf dem Bazaar oder im Akadis, dem alten Haus der Stimmen, dem Gildengebäude der Märchenerzähler, seine Sagen vortrug, und hatte dabei stets aufmerksam seinen Worten und Geschichten gelauscht und sie so lange in ihrem Gedächtnis aufbewahrt, sie wieder und wieder memoriert und ihren Spielgefährtinnen vorgetragen, bis sie Alis fast ebenbürtig geworden war. Umringt von ihren begeisterten Zuhörern log Sirtis nun das Blaue vom Himmel herab und flocht manchmal sogar mit einem nachsichtigen Lächeln die eine oder andere Wahrheit in ihre tausendundeinen Geschichten ein, die aus ihrem Mund allerdings noch unglaubwürdiger klangen als ihre Märchen. Es war in Karukora ein denkwürdiger, ein Tag der Wunder gewesen. Der Elfenbeinerne Palast, der auf einer Halbinsel lag, die von der großen Maratschleife umströmt wurde und den höchsten Punkt der Stadt bildete, war noch immer von unzähligen Lichteren taghell erleuchtet und strahlte weiß und rein. Man sah ihn von den flachen Dünen der Wüsten, die Karukora wie eine Insel in einem trostlosen, öden Meer umschlossen, aus vielen Meilen Entfernung. Diese emporgehobene Fackel der Zivilisation, die die Einwohner des Juwels dem todbringenden Staub, der Hitze und dem blanken Nichts der Wüste abgetrotzt hatten, strahlte sogar noch heller als der der Karawanserei nahe Leuchtturm auf der Flussinsel Gidabé, dem Handelszentrum Karukoras mit ihren Lagern und Kontoren. Während Sirtis erzählte, fielen immer wieder sehnsüchtige Blick auf das riesige, blendend weiße Bauwerk, an dem Generationen gearbeitet hatten, bis es seinen heutigen Umfang und Höhe erreicht hatte, aber niemand im Hof der Alhasra hätte im Moment seinen Platz am niedergebrannten Feuer mit einem in den hohen Sälen des Palastes tauschen mögen, in denen der grausame Vezir Ómer zu Ehren der ausländischen Gäste aus der barbarischen Lamargue ein rauschendes Fest gab. Denn Sirtis führte sie mit der Erzählung über das Schicksal ihrer Schwester an Orte, die ihnen sonst verschlossen waren und rührte sie zu Tränen.

»War Irta in den ersten Monaten ihrer Anstellung nur eine von vielen, die niedrige Aufgaben und entwürdigende Sklavenarbeiten in den Palastküchen erledigten, die Gemüse putzten, Fleisch schnitten, Enten und Hühner rupften, Fische schuppten, Kartoffeln schälten, Kraut stampften und nächtelang Geschirr spülten und Töpfe schrubbten, die die Böden kehrten und wischten und Feuerholz heranschleppten, erkannte doch eines Tages der Hofmeister von „Wüstenoase“, der Serail‘Usta und Seneschall Aismek, welch ein ungeschliffener Diamant dort unten in den verräucherten Gewölben der Küchen im Unrat lag und verhalten unter dem Dreck funkelte. Ihn dauerten die aufgeplatzten, roten Hände der Dienerin zutiefst und er sah ihre Schönheit, ihre Grazie und ihr Geschick trotz der sackartigen, schmutzigen Kleidung, den strohigen, verfilzten Haaren und den verweinten Augen. Lange zögerte er, doch dann sprach Aismek Irta im Hof an und erkannte das Talent des jungen Mädchens, das nicht nur eine angenehme Hülle besaß, sondern ein liebreizendes Wesen und voller Geist, Witz und Geschick war. Irta würde die Serails seines Bişra zieren wie schon lange keine Odaliske mehr vor ihr, die den Frauen des Namenlosen in den luxuriösen Räumen seines Harems dienten. Zäh und erbittert musste der Serail’Usta jedoch zuallererst mit seinem alten Erzrivalen Türbin Bey verhandeln, jenem heute noch berühmten und von vielen gefürchteten Oberkoch, der während der Regentschaft in den Eingeweiden des Palastes ein überaus strenges Regiment führte und dort unten zwischen den Fleischtöpfen und Herdfeuern mächtiger als der Vezir oder gar der Namenlose selbst war. Eifersüchtig hütete Türbin sein Reich und seine Untergebenen, als wäre er der verdammte Inet selbst, der in der Gehenna die Seelen der Verstorbenen quält. Er war durchaus nicht gewillt, Irta ohne Kampf und freiwillig herauszugeben und auf keinen Fall in die Hände seines persönlichen Lieblingsfeindes Aismek.«

[Zum 2. Teil …]

Der Beginn der spannenden Geschichte:

Der Weg, der in den Tag führt
Teil I: Karukora

Als Taschenbuch oder günstiges E-Book,
380 Seiten, illustriert

Ein Kommentar

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Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren III – Ein phantastischer Roman (Teil 14)

[Zum 1. Teil]

Ich begann mit Fedor zu flüstern, der neben mir hockte, die Szene seelenruhig beobachtet und da­bei wie ein ausgehungerter Hund seinen Napf leergeleckt hatte.

„Sogar hier gibt es Barmherzigkeit“, sagte ich. „Daran habe ich nicht mehr geglaubt.“ Mein Freund antwortete nicht, aber er lächelte wissend. „Was glaubst du, an was wir hier arbeiten? Wozu dient diese Ausgrabung?“, wechselte ich das The­ma. Fedor warf mir aus seinen schmalen, kohle­nschwarzen Augen einen Blick zu, der wie immer auf den ersten Eindruck spöttisch und schlitzohrig wirkte, in Wirklichkeit aber nachdenklich und ernst war.

„Sicher suchen wir kein Gold oder irgendwelche Bodenschätze. Dieses Gebirge ist zwar durchaus reich an Ressourcen, aber ein Abbau würde sich nur in großem Maßstab und durch Bergbau loh­nen. Auch dieser Standort auf der Hochebene ist dafür ungeeignet“, erwiderte er leise und klang da­bei wie ein Prospektor, der sein Leben lang nichts anderes machte, als Böden auf ihren Wert zu be­gutachten. Er überlegte.

„Sicher suchen wir kein Gold oder irgendwelche Bodenschätze. Dieses Gebirge ist zwar durchaus reich an Ressourcen, aber ein Abbau würde sich nur in großem Maßstab und durch Bergbau loh­nen. Auch dieser Standort auf der Hochebene ist dafür ungeeignet“, erwiderte er leise und klang da­bei wie ein Prospektor, der sein Leben lang nichts anderes machte, als Böden auf ihren Wert zu be­gutachten. Er überlegte. „Ich bin nicht allzu weit von hier entfernt geboren und aufgewachsen. Bis mich die moderne Zeit ent­wurzelte und ich für die Weißen begeistert in einen bereits längst verlorenen Krieg zog, lebte ich als die Wiedergeburt des ehrwürdigen Peptej geachtet und verehrt bei meiner Sippe am Ostufer der Karasee. Von unserem Ganjk­ka – unserem Zauberer oder Priester – wurde ich in die Geheim­nisse und das Wissen unserer weisen Männer und Frauen eingeweiht. Damals habe ich eine uralte Geschichte aus mystischen Zeiten über diesen Ort hier gehört. Sie wurde mir nur schaudernd zugeflüstert. Falls sie wahr ist – und wer bin ich denn, dass ich an den Worten unserer Ältesten zweifeln könnte? -, dann sollten wir hier nicht tie­fer buddeln, sondern schnell unsere Beine unter die Arme nehmen und losrennen, bis wir hinter Moskau sind. Irre ich mich nicht, dann erwartet uns in diesem Loch nur ein entsetzlicher und qualvoller Tod und vielleicht sogar noch Schlim­meres. Mögen uns Jesus Christus und Ngaa, der Himmelsgott, davor bewahren!“

Mein Freund, glaube mir, ich bekam eine Gänsehaut, denn mein durch und durch optimistischer Fedor hatte noch niemals eine solch düstere Prophezeiung ausge­sprochen. Fürs erste mussten wir es jedoch damit belassen, denn unsere kurze Pause war vorbei und wir wurden von den Aufsehern wieder zur nun voneinander getrennten Arbeit getrieben. Meine neue Aufgabe war zwar körperlich weniger anstrengend, aber noch immer nicht einfach, so­dass ich bei der zweiten Unterbrechung um 15:00 Uhr nur liegen und nach Luft japsen und nicht un­ser begonnenes Gespräch fortsetzen konnte. Auch Fedor schien an einer Fortsetzung nicht weiter interessiert. Er war schweigsam und weichte nur sein hartes Brot im nun fast gefrorenen Tee auf, bevor er es mit Genuss verzehrte.

Pro ausgehobener Grube hielten vier Männer aus der Gruppe gemeinsam die Rahmen der großen Siebe in Brusthöhe und rüttelten sie, während an­dere unter ihnen unablässig die vorher nur oberflächlich ge­harkten und zerkleinerten Erd- und Gesteinskru­men, die man ihnen auf Karren aus den vielen Grabungs­quadranten brachte, auf die Gitter schaufelten. Schnell sammelte sich zwischen den Männern ein Hügel an, der noch einmal durch ein engeres Sieb gefiltert und dann mit Schubkarren zu den Lastwä­gen geschoben wurde. Dieser Abtransport war nun meine neue Aufgabe an diesem und an vielen weiteren Tagen, die sich wie immer gleiche Perlen auf einer muslimischen Gebetsschnur vor mir auf­reihten. Obwohl es von der Siebestelle leicht berg­ab zur Straße ging, war der verbeulte und rostige Schubkarren schwer und sein dicker, fast luftleerer Gummireifen sank vorne tief ein. Deshalb kam ich nur lang­sam und mit angestrengtem Vorwärtsschieben von der Stelle. Auf dem Weg zurück konnte ich mich zwar etwas erholen, aber nach kurzer Zeit fühlten sich meine Arme und Hände an, als würden sie nicht mehr zu mir gehö­ren. Sie waren taub und geschwollen und in meinen Muskeln brannte ein Feuer.

Als ich schon dachte, es ginge nicht mehr weiter und ich würde auf der Stelle tot neben meiner Schubkarre auf die Erde fallen, erlöste meine Schicht und mich nach zwölf Stunden endloser Plackerei endlich die erlösende Abendsirene, die vom Lager aus wie ein lieblicher Gesang nach ihren verlorenen Kindern rief. Ich ließ alles liegen und stehen und ging stolpernd hinauf zum Sammelplatz. Dabei kam ich an den großen Holz­kisten vorbei, in denen die Fundstücke und groben Überbleibsel aus den Sieben aufbewahrt wurden, bis man sie später abholte und zur genaueren Un­tersuchung ins Lager brachte. Darin lagen Steine, Schmutz, Schutt und auffällig viele Knochenreste, von denen ich auf meinen oberflächlichen und nicht gerade fachmännischen Blick hin keines ei­nem Menschen oder einer heute lebenden Tierart zuordnen konnte. Dafür sah ich Stoßzähne und Klauen, die zehntausende Jahre alt sein mussten. War diese Grabungsstelle hier einmal ein Tierfriedhof der Eis- oder gar der Dinosaurierzeit gewesen und Dr. Krakow ein Laienforscher, der sich für diese Vor­zeit interessierte? Irgendetwas ließ mich an diesem naheliegenden Gedanken zweifeln; das passte nicht zu ihm. Ich sah genauer hin. Zwischen dem Elfenbein, den Knochensplit­tern und dem Unrat lagen verschmutzt ein paar angelaufene metallische Gegenstände und seltsam verformte, von der Zeit verwitterte Plastikteile, die mir überhaupt nicht hierher zu passen schienen. Sie wirkten anachronistisch wie moderne Wörter zwischen den Zeilen eines mittelalterlichen Epos. Die meisten von den Fundstücken waren klein, nur daumennagelgroß, aber ein Metallteil hatte auch die Größe und Form meiner Faust. Dies war eindeutig kein Erzklumpen, sondern ein künstlich geschaffenes Objekt. Waren dies zersplit­terte Maschinenteile und wenn ja, wie waren sie hierher gelangt, endlos weit von jeder modernen Zivilisation entfernt und über 100 Meter tief im Erdboden begraben? War an diesem Ort einmal wie im nur unweit entfern­ten Tunguska ein Eisenmeteorit abgestürzt? Aber wie konnten Metallbrocken aus dem All zu solchen For­men zerschmolzen sein, als wären sie von Menschen ge­schaffen worden? Und woher kamen die vielen Plastikstücke?

Ich wollte bereits in die Kiste greifen und den scharfkantigen größeren Gegenstand in die Hand nehmen, um ihn näher zu untersuchen, aber da rief mich der scharfe Befehl eines Aufsehers zu meiner Gruppe, die ungeduldig auf mich Nachzügler wartete. Ich eilte so schnell herbei, wie ich dazu noch in der Lage war, bekam natürlich ein paar mit dem Ochsenziemer übergezogen und reihte mich neben Fedor ein. Ich hatte nicht mehr die Kraft, meine Schaufel zu schultern, weil ich meine toten Arme nicht mehr in die Höhe brachte und sie wie nutzlose Auswüchse an mir herabhingen. Mein starker Freund trug deshalb zusätzlich zu seinem auch noch mein Werkzeug, während wir singend zurück nach Antenora marschierten.

Nach dem Appell und dem Abendessen, an die ich mich kaum mehr erinnere, schleppte ich mich so­fort zu meinem Bett in der Baracke 6. Ich benötigte sogar Hilfe beim Ausziehen meiner klammen Klei­dung, denn es gab wohl keinen einzigen Körperteil an mir, in dem kein Schmerz war. Fedor murmelte über mich gebeugt einen hypnotischen Singsang in seiner Sprache und machte einige geheimnisvolle, scha­manische Zeichen über meiner Stirn, anschließend strich er mit einer Hühnerfeder über meine vier Gliedmaßen, die sich danach schwer wie Blei an­fühlten. Weiß der Teufel, wo er die Feder nun wieder herhatte. Auch Väterchen Himbeere, der übrigens einen Schreibposten ergattert hatte und von kör­perlicher Arbeit befreit war, bemerkte meinen de­solaten Zustand und kümmerte sich aufmerksam um mich. Er wartete respektvoll, bis Fedor mit seinen Geister­beschwörungen fertig war und rieb mich dann wie der gute Samariter mit einer stinkenden Salbe ein, deren Rezeptur er nicht verraten wollte, die aber auf meiner Haut zu prickeln begann und dabei wohlige Wärme erzeugte. Ich weiß nicht, ob es nun an Fedors Hühnerfeder oder der Salbe lag, aber mir ging es nach den so unterschiedlichen Behandlungen besser.

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[Zum 15. Teil …]

Ein Kommentar

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Eine kluge Frage und ein Jubiläum

EIN GRUND ZUM FEIERN UND UM ZURÜCKZUBLICKEN

Ich gebe es zu: In den letzten Wochen habe ich meinen Blog ein wenig stiefmütterlich behandelt. Das liegt zum einen an meinem Brotberuf, der im Moment viel von meiner Zeit frisst, zum anderen schlicht daran, dass ich zu faul war. Schließlich war der April ungewöhnlich warm und sonnig und reizte zu Ausflügen, Wanderungen, Radtouren, Biergartenbesuchen und zum Einfach-mal-faul-auf-der-Gartenterrasse-Herumlümmeln. Es ist jedes Jahr das Gleiche: Gelange ich erst einmal langsam aus dem Winter- in den Sommermodus, bin ich mehr „Körper“ als „Geist“.  Außerdem sind die Zugriffe auf meinen Blog marginal und ich rede hier meist nur mit mir selbst. Da kann ich mir auch mal ein paar Pausen gönnen.

Meine liebe Kollegin lunaewunia, die mir hier folgt (sie selbst schreibt hier: schreibmaschinchenblog.wordpress.com), liest allerdings gerade meinen Roman „Die Wahrheit über Jürgen“, den ich hier jeden Montag in homöopatischen Häppchen vorveröffentliche, bis er im Herbst als Buch erscheinen wird. Sie war so nett, ein paar kritische Anmerkungen zu dieser Betaversion des Romans zu machen und hat mir unter anderem die folgende Frage gestellt:

lunaewunia: „Was ist denn deiner Meinung nach der beste Einstieg in dein Schaffen?“

Ganz ehrlich, ich war vollkommen überrascht. Diese Frage hat mir noch nie jemand gestellt und ich habe mir auch noch nierichtig  darüber Gedanken gemacht. Ich habe mir von lunaewunia ein wenig Bedenkzeit ausgebeten und nachgedacht. Heute – denke ich – ist der richtige Moment, diese Frage etwas ausführlicher zu beantworten, denn ich feiere in diesen Tagen ein ganz besonderes Jubiläum auf meinem Blog.

Er ist 5 Jahre alt geworden.

Im Moment findet ein interessierter Literatursüchtiger hier über 700 Artikel (1). Er kann Glossen, Rezensionen, Kurzgeschichten, Erzählungen, Romanausschnitte und sogar Gedichte und ein Theaterstück lesen. Aber das Ganze ist ein ungeordnetes Knäuel ohne innere Reihenfolge und System; es fehlt die ordnende Hand. Kein Wunder, bin ich doch nicht nur ein fauler, sondern auch ein schlampiger Mensch, der als Messie in seinem Dreck leben würde, ließe dies Frau Klammerle zu. Für mich war dieser Blog am Anfang nur ein neues Spielzeug, das ich mal ausprobieren wollte, um mitreden zu können. Doch mit dem mir selbst verordneten Zwang, ihn mit Inhalten zu füllen, wurde er mir für meine Arbeit als Autor schnell unverzichtbar und bringt mich dazu, regelmäßig an meiner Literatur zu arbeiten. Der Blog ist mein ins Internet ausgelagertes Gewissen, das mich zwickt, wenn ich mal wieder eine Faulenzerphase habe. Tatsächlich ist es nur ihm zu verdanken, dass ich inzwischen 6 Bücher geschrieben, überarbeitet und im Selbstverlag herausgegeben habe, denen noch in diesem Jahr zwei weitere folgen werden.

Die Texte dieser Bücher sind hier größtenteils nicht mehr zu finden; wer sie lesen möchte, muss sie kaufen. 😉

Also, wie sollte man nun in die Welten des Nikolaus Klammer einsteigen? Ich denke, das liegt am jeweiligen Leser. Denn ich bin ein sehr vielseitiger Autor, den Genre-Grenzen noch nie interessiert haben. (2)

Von kurz nach lang:  Wer nur einmal kurz reinschmecken möchte, um meine „Schreibe“ kennenzulernen, dem würde ich empfehlen, bei meinen Kurzgeschichten zu beginnen. Sie sind mal heiter, mal fantastisch, mal unbequem, aber immer originell. Hier folgt eine repräsentative Auswahl, die Reihenfolge ist zufällig; tatsächlich finden sich noch viele weitere Kurzgeschichten in den Archiven des Blogs:

Bappbpel Der FremdeDas Rote HausDer WolfsmondEismanns WilleWahrheit –  PalimpsestDer Schriftsteller, die Putzfrau und der TodRacheDer OktopusKleine VeränderungenKarls Träume

Für den etwas längeren Atem: Eine Liste von Erzählungen, die hier in mehreren Fortsetzungen erschienen und bis zu 50 Buchseiten lang sind. Die Geschichten sind für den erfahrenen Leser gedacht, ich mache es in ihnen weder ihm noch mir leicht. Der Link führt jeweils zum ersten Teil der Erzählung:

Der Engel im SpiegelTraditioncrisis – Bei den GroßelternDas Zeichen des Lebens –  Haare lassen ErSieEs

Der „Jahrmarkt in der Stadt“-Zyklus: Erzählungen und Romane, die um die Künstlerszene in Augsburg kreisen. Sie sind die ältesten Texte von mir, die man hier finden kann. Ich werde diese Geschichten noch einmal überarbeiten und in den nächsten Jahren Schritt für Schritt in Buchform veröffentlichen. (3)

StromausfallEin andere Art der LiebeDie fürsorgliche SchuldNutzlose MenschenDie Wahrheit über JürgenDas goldene Kalb

Für die Freunde des Phantastischen: Die mit Abstand erfolgreichsten und beliebtesten meiner Bücher sind die auf 5 Bände konzipierten Romane meiner „Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren“-Trilogie, von der bereits Teil 1 und 2 im Selbstverlag erschienen sind; im Sommer folgt Teil 3, den man hier mitlesen kann. Dann finden sich hier noch die ersten sechs Kapitel des Romans „Aber ein Traum“, der dem Blog seinen Namen gab und sozusagen die „ernsthafte“ Variante der Memoiren ist. (4)

Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren (Teil 3)Aber ein Traum

Fantasy und Science Fiction: Schließlich kommen wir zum Unterhaltsamsten, meinem spannenden Brautschauzyklus, der 8000 Jahre in der Zukunft spielt und als Young-Adults-Buchreihe konzipiert ist, die munter und respektlos Fantasy- und Science-Fiction-Elemente durchmischt. Das ist ein Projekt, das mich noch viele Jahre beschäftigen wird.

Brautschau 2: Faiabas Erwachen –  Der Weg, der in den Tag führt I: KarukoraDer Weg, der in den Tag führt II: Paradais

Anderes und Vermischtes: Ich habe im Laufe der Jahre hier viele Rezensionen, Glossen, Satiren, Streiflichter, Philosophisches und Theoretisches und Geistesblitze veröffentlicht, heiteres und ernsthaftes, nachdenkliches und unsinniges; vieles davon ist in dem Sammelband „Noch einmal davon gekommen“ zu finden. Hier kann man mich gut kennenlernen. Vielleicht ist dieses Büchlein der beste Einstieg in mein Werk.

Antilopen (Theaterstück)WochenleseDer Dichter als DenkerFreitagsaufregerBock des Monats und selbstverständlich mein Essay über die Minnedichtung

Ich hoffe, diese Liste hilft dem verwirrten Besucher meines Blogs, sich bei mir zurecht zu finden und sich aus dem üppigen Kuchen die Rosinen herauszupicken, die ihm munden.

Doch nun wünsche ich euch allen einen wunderschönen Mai und ich würde mich freuen, wenn ihr einfach mal bei mir vorbeischaut, egal ob virtuell oder tatsächlich, und mit mir auf 5 weitere und gemeinsame Jahre auf diesem Blog anstoßt. (5)

Euer Nikolaus

 

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(1) Ein paar Zahlenspiele: Etwa 300 Blogeinträge habe ich „privat“ gestellt. Das sind in der Regel Ausschnitte aus Texten, die ich später als Buch veröffentlicht habe und veraltetes, missglücktes Zeug. Insgesamt habe ich also seit dem Mai 2013 knapp 1000 Artikel geschrieben, das sind 2 – 3 pro Woche – nicht schlecht für einen faulen Autor. Jeder Artikel beinhaltet um die 1000 Wörter – mal mehr, mal weniger -, ich könnte also mit dem veröffentlichten Inhalt meines Blogs ein Buch mit 4000 Seiten füllen. Ich gebe es zu: Ich bin schon ein wenig stolz auf diese Leistung.

(2) Manche – sich selbst als „ernsthaft“ einordnende – Leser stößt so etwas ab, denn sie sind der Meinung, dass man nicht U und E miteinander vermischen kann und darf und ein Autor, der Fantasy oder Krimis schreibe, kein guter und lesenswerter Belletristiker sein könne. Nun, vielleicht ist das in meinem Fall so, aber ich selbst glaube, es ist nur ein veraltetes Vorurteil und diesen Lesern entgeht eine ganze Menge Spaß.

(3) Den Anfang hat das frisch veröffentlichte Buch „Kleine Lichter“ gemacht, in dem die Erzählungen „Pasenows Schuld“, „Die Lichtung“ und der Kurzroman „Ein kleines Licht“ zu finden sind; demnächst wird der Roman „Die Wahrheit über Jürgen erscheinen“, nächstes Jahr folgt dann der Band „Stromausfall“.

(4) Ich will in diesem Zusammenhang kurz auf rosmarinkatze.wordpress.com hinweisen, den außer von den lieben Spammern (4a) vollkommen unbeachteten Blog, den Verena Salva – eine der Hauptfiguren von „Dr. Geltsamers Memoiren“ – führt. In ihrem Blog lassen sich einige Gimmicks für die Fans der Geltsamer-Romane und hübsche Gedichte und Fotografien finden.

(4a) Während mich hier in den fünf Jahren etwa 500 Spamkommentare belästigten, sind es auf Verenas Blog, der erst seit einem Jahr existiert, bereits 11oo – die meisten übrigens in portugiesischer Sprache.

(5) Denkt an die Gefahren des Trinkens! In dem Glas, das ich auf dem Bild in der Hand halte, ist selbstverständlich kein Maibock, sondern ein alkoholfreies Radler.

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