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Nachschrift zu „Tradition“ -Zwei

3. Die „Jarmulke“

Mit Beginn der Sommerferien 1977 war ich endgültig in der Schule gescheitert. Nachdem ich bereits die 6. Klasse wiederholt hatte, endete nun meine Karriere im Gymnasium mit vier Fünfern und zwei Sechsern und der eindeutigen Empfehlung der Lehrerkonferenz, mich zurück in die Hauptschule zu befördern, da ich – allgemeiner Tenor – für eine weiterführende Schule zu dumm war. Meine Eltern hielten mich weniger für dumm als vielmehr für faul und meldeten mich in einer Realschule an, die ich dann ab dem Schuljahr 77/78 besuchte. Dort änderte sich meine Lebenssituation völlig. Ich war plötzlich der Älteste in der Klasse und war dadurch als unverhofftes Alpha-Tier auf den Posten des Klassensprechers abonniert. Ich blieb zwar weiterhin lernunwillig – zumindest was den Schulstoff anging, – erreichte jetzt aber ohne mich für schulische Angelegenheiten zu interessieren durchschnittliche Noten und war nie in Gefahr, das Klassenziel nicht zu erreichen. Und das wichtigste: Ich hatte plötzlich Freunde.

Das war in den Ferienmonaten bei meinen Berliner Großeltern alles noch nicht absehbar. Zu ihnen kam ein gescheiterter, einsamer Pubertierender, dessen Faulheit und dessen soziopathisches, an Autismus grenzendes Verhalten man heute als die Träumer-Variante von ADS diagnostizieren und mit starken Ritalindosen korrigieren würde. Unter den Symptomen meines Aufmerksamkeitsdefizits leide ich noch heute und zu meinem Bedauern habe ich es auch meinen Kindern vererbt.

Ich war also vierzehn Jahre alt, als ich endgültig im Gymnasium scheiterte und meine Mutter mich zu ihrer Erleichterung über die Sommerferien nach Berlin abschob. Auch wenn ich natürlich ein völlig anderes Bild von mir hatte, war ich wie viele leidgeprüfte Jugendliche in diesem Alter: stark pubertierend, picklig und dick. Voller moralischer Bedenken der eigenen Sexualität nachforschend, verlebte ich damals meine Tage in einem Heldentraum, in dem sich meine wuchernde Phantasie und mein wundes Selbstvertrauen in einer faschistoiden, von Fernsehen und Heftromanen geprägten Vorstellungswelt ein Ventil suchten. Obgleich ich nur ein mageres Œuvre an Wildwest- und Science-Fiction-Geschichten zustande gebracht hatte, die zudem mangels Fleiß und Konzept stets unvollendet blieben, hielt ich mich doch für einen früh gereiften, genialen Schriftsteller, dessen Entdeckung durch ein begeistertes Publikum längst überfällig war.

Nur wenige Zeit zuvor war ich allerdings noch ganz Kind gewesen. Der Wechsel fand in den wenigen Wochen zwischen Ostern und dem Sommer statt. Aus einem mit dem Vater verbrachten Ägyptenurlaub in den Osterferien hatte ich mir eine gestrickte, auffällig gefärbte Fellachenkappe mitgebracht, die ich auf Lord Kitcheners Nilinsel zum Spottpreis von einer Mark erworben hatte. Sie wurde mir das zugleich unnützeste und dabei wichtigste Kleidungsstück, das ich je besessen habe. Vorher hatte ich der Sonne wegen eine Schirmmütze getragen, die ich als treuer Leser von der Comic-Zeitschrift ZACK geschenkt bekommen hatte und an ein um Bakschisch bettelndes Kind weitergab. Wenn ich Fotos von diesem Ägyptenaufenthalt, auf denen ich mit dem Basecap zu sehen bin, mit einer Aufnahme vergleiche, die nur sechs Wochen später bei einem Jugendlageraufenthalt in Österreich gemacht wurde und auf der ich jene orientalische Kappe trage, die an die »Jarmulke« eines gläubigen Juden erinnert, dann ist deutlich der Sprung vom Kind zum pubertierenden Jugendlichen zu erkennen. In meiner Erinnerung liegen die beiden Ereignisse auch weiter auseinander, als sie es tatsächlich sind; es ist eine Kluft zwischen ihnen, die breiter als nur sechs Wochen ist.

KappeWas war der auslösende Effekt, der mich so genau den Beginn meiner Pubertät datieren lässt? War es der mich überwältigende Eindruck der fremdartigen Kultur, der mich fassungslos machte und mich dabei mit einem Elend konfrontierte, das ich nie geahnt noch gar gesehen hatte und dessen Bilder ich mir auch heute noch deutlich vor Augen rufen kann? Oder war es nur das Scheitern am Gymnasium, denn dieses Ereignis war der erste Bruch, den mein Selbstbewusstsein erleben musste? Nun, die Schale »Kind« platzte plötzlich auf und aus dem Ei kroch ein Pubertierender, der die ersten Züge meiner heutigen Persönlichkeit entwickelte. Aus einem Grund, den ich nicht genau entschlüsseln kann, war mir die Kappe, die ich praktisch nur zum Schlafengehen ablegte, bei meinen ersten unsicheren Schritten Stütze und Halt; unter ihr fühlte ich mich geborgen, be-»hütet«. Gleichaltrige Bekannte bemerkten den Fetischcharakter dieses Kleidungsstückes schnell und es war oft das Ziel von Spott und Diebstahl. Ich litt unter den Grausamkeiten, aber die Kappe wurde mir dadurch noch heiliger.

Auch bei meinen Freunden in der katholischen Jugendgruppe, den einzigen, die ich damals besaß, endete die Kindheit. Bei den Weiterentwickelten, oder, besser formuliert, den Attraktiveren, gab es erste Verwirrungen mit dem anderen Geschlecht. Als zwei meiner Freunde um das gleiche Mädchen buhlten, baute ich diese Geschichte in meinen Heldenträumen aus, verschärfte den Konflikt und stellte mich in Erzählungen als unglücklich zerrissen in die Mitte der in Wahrheit nicht existierenden dramatischen Handlung. Es war also nur mein literarisches Interesse geweckt und kein Mitfühlen mit den Nöten der Verliebten. Mein schönster Traum war es übrigens, dass sich jenes Mädchen zu mir hingezogen fühlte.

Zusammenfassend: Zu den Großeltern nach Berlin kam in jenem Sommer erstmals kein Kind mehr.

Der Sonntag war im Haus der Großeltern ein großes Ereignis; obwohl auch er feste Regeln besaß, waren doch die seinen vom Gleichlauf der anderen Tage unterschieden. Es wurde morgens länger geschlafen. Trotzdem war ich müde: In den Räumen, die ich im ersten Stock des Hauses für mich allein bewohnte, stand ein ausgemusterter, aber funktionstüchtiger Schwarzweiß-Fernseher stand und das Samstagabendprogramm war das interessanteste und längste der Woche. Mir hatten es vor allem die beiden Ostkanäle angetan, die wir zuhause nicht empfangen konnten und in denen ich ganz erstaunliche Dinge zu sehen bekam. Zudem hatte das Ostfernsehen den Reiz des Verbotenen, da die Großeltern befürchteten, mein junger, formbarer Geist würde vom »schwarzen Kanal« beeinflusst. Diese Sorge war allerdings unbegründet, da ich Western und Krimis und nicht politische Bildung suchte.

gunhillIn der Nacht zu jenem Sonntag, über den ich nun schreiben werde, den 23. August 1977, hatte ich einen im »Zwölf-Uhr-Mittags«-Stil gedrehten Film mit Kirk Douglas und Anthony Quinn gesehen, der mir noch Jahre als atemberaubend spannend in der Erinnerung blieb und mich damals lange am Einschlafen hinderte. Beim späteren Wiedersehen des Westerns war er einer von vielen; am erstaunlichsten war noch, dass die mich damals so sehr beeindruckenden Schwarzweißbilder in Wirklichkeit farbig sind; diese Entdeckung hatte etwas von der Erkenntnis, dass es außer mir keinen Nikolaus gibt.

Jener Sonntag, dessen Frühstück ich schlaftrunken über mich ergehen ließ, war ein ganz besonderer: Zum Kaffee am Nachmittag wurden spezielle Gäste erwartet, nämlich ein erst am Wochenende zuvor aus der DDR geflüchteter Verwandter, ein Arzt der Ostberliner Charité, der mit Frau und zu diesem Zwecke betäubten Kleinkindern für viel Geld im Kofferraum des Wagens eines Diplomaten Republikflucht begangen hatte. Der Arzt hatte sich für seine Flucht ausgerechnet einen Abend gewählt, an dem meine Großeltern mit einer Tante in den Osten der Stadt gefahren waren, um andere Verwandte zu besuchen. Ich war allein im Haus geblieben und erwartete sie gegen zehn Uhr wieder zurück. Da jedoch die Flucht vor ihrer Heimkehr bekannt wurde, hielten sie die DDR-Zöllner am Kontrollpunkt auf, ließen sie ohne Angabe von Gründen mehrere Stunden im Auto sitzen, bis sie sie dann doch fahren ließen.

Nun, nach einer Woche hatte sich die meiste Aufregung gelegt und die vergrößerte Familie wurde zum Nachmittag erwartet. Ich war fest entschlossen, einen Kriminalroman über »Republikflüchtige« zu schreiben, den ich »Das Loch in der Mauer« nennen wollte. Beim Frühstück fragte mich die Großmutter, wer denn »Elvis Presley« sei, sie hatte beim Friseur gelesen, dass er in der vorigen Woche verstorben wäre. Ich hatte zwar von ihm gehört, konnte aber auch keine nähere Auskunft geben, denn ich stand mit zeitgenössischen Musikern und deren Klängen damals fast ebenso sehr auf Kriegsfuß wie meine Großmutter selbst; aus meinem Kassettenrecorder ertönten stundenlang die Anfangstakte von Tschaikowskijs b-moll-Klavierkonzert. Das war so ziemlich die einzige Art von Musik, die mir gefiel. Ein paar Jahre später blamierte ich mich, als eines Morgens ein betroffener Klassenkamerad mit atemloser Stimme berichtete, dass man in der Nacht John Lennon ermordet habe und ich ihn erst fragen musste, wer das denn sei.

Was ich den weiteren Vormittag gemacht habe, ist nicht mehr in meiner Erinnerung, ich weiß nur noch, das Wetter an diesem Tag war unbeständig und die Großmutter beschloss, das nachmittägliche Kaffeetrinken im Hause stattfinden zu lassen. Wahrscheinlich habe ich gelesen, aber nicht Literatur, sondern ein ZACK-Heft, das gerade Girauds großartige Graphic-Novel „Blueberry“ abdruckte. Einer der Räume des ersten Stocks glich ein wenig einer Schiffskabine, er hatte ein kleines Fenster und seltsamerweise war die Decke zur Wand hin auf zwei Seiten stark abgerundet. Das war mein Lesezimmer, wenn das Wetter mich daran hinderte, im Garten sitzen zu können. Hier wartete ich am frühen Nachmittag, sah aus dem Fenster auf die kleine Straße, einer im tatsächlichen Sinne des Wortes Sackgasse mit nur fünf Häusern im Rund und hielt nach den Autos der Besucher Ausschau. Als ich sie endlich eintreffen sah, schlüpfte ich in meine Schuhe, stürzte atemlos die ersten Stufen der steilen Treppe hinab, kehrte noch einmal um, weil ich meine „Jarmulke“ vergessen hatte. Niemand sollte mich ohne dieses Kleidungsstück sehen, das mir wie ein Ausrufezeichen hinter meinen besten Charaktereigenschaften war. Bereits in ein Gespräch mit meiner Cousine vertieft, kehrte ich kurze Zeit später knapp hinter den anderen Verwandten ins Haus zurück und trat ins Wohnzimmer, das bereits für den Nachmittagskaffee gedeckt war. Die Großmutter werkelte in der Küche, vom Großvater war nichts zu sehen.

Plötzlich spürte ich eine feste, energische Hand auf meinem Kopf, die mir meine Kappe mitsamt ein paar Haarbüscheln herunter riss. Aufschreiend wand ich mich herum. Halb erwartete ich, dass mein kleiner Cousin mir wieder einen Streich gespielt hatte.  Aber diesmal war er unschuldig. Er saß draußen im Regen auf der Schaukel. Auch meine Cousine und die andere Verwandtschaft drehten erstaunt den Kopf. Mein Großvater stand hinter mir. Er war ein wenig kleiner als ich, aber in diesem Moment eine beeindruckende Erscheinung. Seine Hand, die Hand eines Schlossers, hielt er fest um die Kappe geklammert. Er funkelte mich böse an, dann wurden seine Augen milder.

„Wir tragen im Haus keine Mützen. Das ist hier Tradition„, sagte er und steckte die Kappe ohne einen weiteren Kommentar in seine weite Hose. Er lächelte und verließ den Raum. Ich hatte kein Verhaltensrepertoire, rieb mir den schmerzenden Kopf und schämte mich. Meine Cousine kicherte. Ich suchte nach einem Mauseloch, in dem ich mich verkriechen konnte und flüchtete in den Garten. Lieber wollte ich nass werden, als mich hier weiter anstarren zu lassen. Ich hörte, wie hinter mir gelacht und gesprochen wurde.

Ich hatte diese Kappe bereits seit drei Wochen vor den Augen meines Großvaters in seinem Haus getragen und er hatte sie nie seiner Beachtung für Wert befunden. Woher kam also plötzlich diese Überreaktion, wenn es überhaupt eine war? Warum demütigte er mich vor der Verwandtschaft und dem Mädchen, das ich beeindrucken wollte? Weshalb wählte er exakt diesen Moment, an dem ich mich am sichersten fühlte – war das Gedankenlosigkeit oder ein Plan?

Die Mütze hat er mir übrigens nicht wieder zurückgegeben und ich habe mich nie getraut, ihn nach ihr zu fragen. Sie tauchte nie wieder auf. Ich habe sie auch nicht gefunden, als wir das Haus nach seinem Tod ausräumten.

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Bei den Großeltern – Vier: Der Kirschbaum

Ich glaube, ich habe noch nicht von Ulrich erzählt. Er war der Junge, der ein Stockwerk über uns wohnte.

Es war Ulrichs liebstes Vergnügen, mich auf den alten Kirschbaum vor dem Miethaus zu jagen. Er nannte dieses Spiel „Katz und Hund„. Ich wusste, wenn ich es nicht rechtzeitig schaffen würde, in die Äste zu kommen, dann würde er mich beißen, in das Bein, in den Po, wo auch immer er mich eben erwischen würde. Diese Bisse hinterließen oft blutende, schmerzhafte Wunden, sie verschonten jedoch in der Regel die Hose, so dass meine Mutter nie etwas bemerkte. Wenn mir dann die Zeit im Geäst zu lang wurde und ich wieder herabstieg, würde er mich zur Strafe für meine langsame Reaktion auch noch verprügeln.

Wenn ich aber flink genug war und seinem Zugriff entkam, dann bellte er mich ein paar Mal wie ein Hund an und trollte sich. Auf den Baum kletterte er nie, er war mein Refugium, eine Freistatt, die wir mit dem archaischen Begriff „Ghotto“ bezeichneten, ohne dessen etymologische Herkunft zu kennen. Diese Zufluchtsmöglichkeit gehörte zu seinem Spiel, es erhöhte für ihn den Reiz.

Ich hatte daher bald eine Art von sechstem Sinn dafür entwickelt, ob er mir auflauerte. Nur selten erwischte er mich noch unvorbereitet. Meist befand ich mich bereits in vollem Lauf, den Stamm der dürren Kirsche fest im Blick, wenn ich zum ersten Mal sein wölfisches Heulen und seinen hechelnden Atem hinter mir zu hören bekam.

Trotz dieses Vorsprungs war die Jagd jedesmal von neuem ein Glücksspiel. Der Weg von der Milchglastür unseres Wohnblocks an den Parkplätzen vorbei über den mageren, fleckigen Rasen zum Baum war weit. Natürlich war der trainierte und zwei Jahre ältere Uli viel schneller und ausdauernder als ich. So hatte er mich in schöner Regelmäßigkeit beinahe erreicht, wenn wir nah genug an die Kirsche herankamen, damit ich einen Sprung in den unteren Astkranz wagen konnte. Meine Chancen, diesen Sprung so sauber auszuführen, dass ich mich sofort zum zweiten hochziehen konnte und seinem Zugriff auf diese Weise entkam, waren eigentlich recht gut. Von zehn Sprüngen gelangen mir sieben oder acht. Die Ausnahmen jedoch, bei denen ich vorbei sprang oder an den Ästen ausrutschte und wie ein Kartoffelsack vom Baum fiel, waren unangenehme Erfahrungen. Deshalb hatte ich bereits Nachmittage damit verbracht, meinen Satz in die Kirsche zu üben und zu perfektionieren.

KirscherAuch diesmal glaubte ich, den richtigen Absprung bei genau der richtigen Geschwindigkeit erwischt zu haben und hatte bereits fest den breiten, unteren Ast unter meinen Fußsohlen. Ich richtete mich auf, um nach oben zu greifen. Offenbar hatte mich Ulrich beinahe erhascht; denn wütend darüber, dass ich ihm buchstäblich im letzten Augenblick aus den Fingern geglitten war, brach er erstmals eigenmächtig die Spielregel und fasste nach, erwischte mich unten am Hosenbein und wollte mich zu sich herab ziehen. Da ich in diesem Moment bereits frei balancierte, konnte ich das Gleichgewicht nicht halten und stürzte deshalb mit hocherhobenen Händen vornüber vom Baum. Das war keine weite Strecke – gerade mal ein Meter. Mit geübten Reflexen bereitete ich mich darauf vor, mich elegant zur Seite abzurollen, als mein Sturz überraschend gebremst wurde.

Ich spürte einen heftigen Schlag gegen dem Mund. Er rührte von einem von oben in meine Falllinie hinein hängenden Ast her, über den ich mit dem Gesicht schrammte. Ein kleines Stück Holz, ein nur einige wenige Zentimeter langer toter Zweig schob sich wie ein glühender Stahl in den Raum zwischen meinen Zähnen und der Oberlippe. Ich konnte ein Geräusch hören, das klang so ähnlich wie ein zerreißender Lederfetzen. Ich spürte nichts, stellte nur nüchtern fest, dass ich meinen Sturz nach diesem überraschenden Hindernis nicht planmäßig fortsetzen konnte. Deshalb drehte ich mich im Fallen weiter zur Seite und rollte auf dem leicht abschüssigen Gelände mit einem ungelenken, aber immer noch weichen Purzelbaum aus.

Ich lag auf dem Rücken im Gras, den Kopf weit in den Nacken gelegt. Einen kurzen Moment war ich froh. Die Sache schien glimpflich abgegangen zu sein und ich hatte nicht mehr als ein paar blaue Flecken zu vergegenwärtigen. Meine Mundhöhle war feuchter als normal, als hätte ich gerade einen Schluck warmer Milch auf der Zunge. Diese Milch war salzig. Die Flüssigkeit lief mir aus den Mundwinkeln, in die Nase hinein. Angeekelt richtete ich meinen Oberkörper auf. Das heißt, ich versuchte diese Bewegung, denn erst jetzt spürte ich den Schmerz, den der Ast durch meine Lippe und mein Oberkiefer gerissen hatte. Ulrich gelangte in mein Blickfeld. Bevor ich gurgelnd stöhnend die Augen schloss, sah ich noch, dass er würgte und sich neben mir erbrach.

„Das wird ihm eine Lehre sein“, dachte ich erleichtert und an diesem Gedanken hielt ich mich die folgenden alptraumhaften Stunden und Tage fest. Ich hätte den Gedanken gern ausgesprochen, aber bis es mir wieder gelang, ein paar verständliche Worte zu nuscheln, dauerte es fast einen Monat. Die Wunde – ein fingerbreiter Riss an der linken Oberlippe – die mich zudem einen der gerade frisch gewachsenen Schneidezähne gekostet hatte, wurde im Krankenhaus genäht und verheilte nur schlecht.

In den Sommerferien bei den Großeltern trug ich noch immer ein Pflaster über der nur langsam heilenden, häßlichen Narbe.

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Bei den Großeltern – Drei: Das Luftgewehr

Dies ist die Geschichte, in der ich für einen Tag ein Westernheld war.

1. Kapitel: Lügen und der wilde, wilde Westen

In der 7. Klasse des Gymnasiums hatte ich keine Freunde. Es gab dort aber einen, den ich bewunderte. Und ich hatte einen unversöhnlichen Feind.

charmanichTscharly, der Junge, dessen Freundschaft ich suchte, war mit mir gemeinsam in der 6. Klasse durchgefallen, aber noch ein Jahr älter als ich. Von der körperlichen Reife und der geistigen Entwicklung her betrachtet, war der Abstand zwischen uns aber noch viel größer. Tscharly hatte all die Dinge, die ich ebenfalls wollte: Er besaß ein Mofa und war Mittelpunkt eines Kreises, den er „Clique“ nannte. In seiner Bude stand nach seiner Darstellung ein Fernseher, aus seinem tragbaren Kassettenrecorder quäkten The Sweet, Status Quo und Led Zeppelin. Er hatte auch schon Erfahrungen mit den Mädchen und ab und an eine Freundin.

Manchmal durfte ich mich von der Sonne seiner Aufmerksamkeit bescheinen lassen und besuchte ihn in der Vorstadt, was für mich eine längere Anreise bis kurz vor die Endstation der Straßenbahn in Stadtbergen bedeutete; diese Ausflüge waren immer heimlich, ich täuschte dabei den Besuch bei einem anderen Bekannten vor, denn meine Mutter billigte diese Beziehung nicht.

Ich glaube, ich war nie bei Tscharly zu Hause, er holte mich immer von der Haltestelle der Einser ab und knatterte auf seiner grünen Honda neben mir her zu einem Spielplatz, auf dem er sich – zumindest behauptete er das – abends mit seiner „Clique“ traf. Ich habe aber nie einen von seinen anderen Freunden gesehen. Dort saßen wir dann recht unbequem den ganzen Nachmittag mit dem Hinterteil auf der Lehne und den Füßen auf dem Holzsitz einer Parkbank, tranken Cola aus der Dose und rauchten. Tscharly erzählte Storys von seinen Kumpels oder erklärte, wie man ein Mofa frisiert und genoss es sichtbar, einen „Groupie“ zu haben. Wenn ich zu Wort kam, erfand ich ein paar Geschichten über meine Clique und meine Freundin oder erzählte von einem Roman, an dem ich schrieb. Natürlich hatte ich weder einen Freundeskreis wie er, noch je drei oder vier Sätze dieses Romans zu Papier gebracht. Aber ich sah, dass er meine Angebereien respektierte, solange ich die seinen nicht in Frage stellte.

Da Tscharly ja mit mir in die gleiche Klasse ging – er wechselte dann im gleichen Sommer auf eine Realschule in der Stadtmitte und ich verlor ihn aus den Augen – musste ich zwangsläufig meine Lügengeschichten in der Klasse fortspinnen. Ich hatte deswegen sogar ein Bild von einer erfundenen Freundin fein säuberlich aus einem Comic-Heft abgemalt. Ich trug es gefaltet  in meinem Geldbeutel gefaltet und zeigte es gerne vor.

Mir war jedoch bei meinen immer feineren und dichteren Fantasiegespinsten entgangen, dass in meine siebte Klasse auch noch ein Junge ging, der mich hasste und nach Mitteln und Wegen suchte, mich vor allen bloßzustellen. Dieser Junge war noch ein wenig kleiner als ich und hieß Manfred. Es gab einen einfachen Grund für seine Abneigung: Er stand noch weiter hinten in der Rang- und Hackordnung der Jungs der Klasse, während ich im unteren Mittelfeld ein gemütliches Dasein fristete und gerade mit Hilfe meiner überschäumenden Fantasie und meinen Geschichten den einen oder anderen Erfolg feiern konnte. Meine Sechsen in Deutsch halfen mir dabei mehr als sie mir schadeten. Nachdem Manfred einsah, dass es durchaus nur ein kurzer Triumph war, mir meine seltsame Fellachenkopfbedeckung, die ich nach Ostern aus Ägypten mitgebracht hatte, zu klauen und sie zu verstecken, griff er mich deshalb auch zielsicher auf meinem ureigensten Gebiet an, mit dem ich eine Sonderstellung in der Klasse behauptete. Außer mir schrieb nur ein dickes Mädchen Geschichten und die handelten von heiteren, jugendlichen Reiterinnen und ihren Pferden.

Manfred forderte mich völlig überraschend vor der Klasse heraus, als ich mich mal wieder als Schriftsteller aufplusterte: Ich solle ihn doch endlich mal eines meiner tollen Bücher lesen lassen, z. B. diesen monumentalen SF-Roman um den Raumfahrer Papadopulous Bykow, der zum Schluss sogar vor Gott steht (den Namen „Bykow“ entnahm ich dem „Atomvulkan Golkonda“ von den Brüdern Strugatzki), meinen spannenden Fantasyroman „Kampf um Utgard“ oder einen der fünf Western, in deren Mittelpunkt ich meine Old-Shatterhand-Kopie Johnson gestellt hatte. Leider existierte mein Œuvre fast ausschließlich in meiner Fantasie. Ich hatte mir die Romane zwar selbst mit Hilfe von Legokulissen und Plastikmännchen vorgespielt und durcherzählt, aber keinen einzigen Satz niedergeschrieben.

Auch heute bin ich noch in der Lage, diese Geschichten zu erzählen, so habe ich sie mir damals verinnerlicht. “Kampf um Utgard“ beispielsweise sollte mit folgenden Worten beginnen: „Endlich aber war der Tag gekommen, an dem sich das Schicksal der Welt erfüllen sollte. Blutig rot dämmerte er aus einer endlosen Nacht, um bald hinter schwarzen Wolken in einer ewigen Düsternis zu enden…“ Aber – wie gesagt – ich hatte noch nichts davon auf Papier gebracht. Die Inspiration war da, aber sie ist der unwichtigste Teil eines Buches. Manfreds Zweifel konnte ich jedoch nicht auf sich beruhen lassen. Wenn ich in den Augen der anderen der Autor bleiben wollte, als der ich mich sah, musste ich endlich liefern.

Froh darüber, dass er nicht die Existenz meiner Freundin angezweifelt hatte, schrieb ich noch am selben Nachmittag und in der Nacht darauf heimlich im Lichte einer Taschenlampe die ersten beiden Kapitel meines Western-Romans „Johnson I“ und füllte ein liniertes A5-Schulheft mit einer haarsträubenden Geschichte voller Rechtschreibfehler und krauser Grammatik, in der es um wilde Indianer ging, böse Banditen mit ihrem charismatischen Anführer, den Schurken Wilkins, Cowboys, Soldaten und einen jungen, einsamen Helden, der auf den 48 Seiten Text lebensgefährlich verletzt wird, in Schießereien und ein Mordkomplott, schließlich an den Marterpfahl gerät, fast verdurstet und einem Feuer nur durch einen Fenstersprung entkommt. Zwischendrin verliebt er sich und findet seinen verloren geglaubten Onkel „Big“ Evans wieder, einen erfahrenen Westmann, der erstaunliche Parallelen zu Sam Hawkins aufweist.

Diesen wahnwitzigen Text überreichte ich am nächsten Morgen übermüdet, aber triumphierend meinem überrumpelten Gegner. Das sei nur der Anfang und der Roman ginge noch einmal zehn solcher Hefte weiter, die ich ihm nachreichen wolle, wenn er erst einmal diese zwei Kapitel gelesen habe, behauptete ich leichtsinnig. Mit dem schmalen blauen Schreibheft begann meine Karriere als Autor und auch der Ärger: Manfred gab sich noch nicht geschlagen. Still nickend nahm er das Heft an und steckte es in seine Schultasche. Ich sollte es nie wieder sehen. Zuerst verzögerte Manfred einige Wochen lang die Rückgabe meines Werkes; er wartete auf seine Gelegenheit. Dann erzählte er plötzlich in der Pause vor der versammelten Klasse, ich habe „Johnson I“ abgeschrieben und er den Beweis, nämlich den G. F. Unger-Roman, aus dem ich kopierte, zu Hause. Und mein Heft mit meinem ersten literarischen Text hätte seine Mutter weggeschmissen. Das war eine noch gewagtere Lügengeschichte als die meine, aber sie wurde geglaubt. Im Nachhinein sollte ich eigentlich geschmeichelt sein, dass er mein unsägliches Geschreibsel mit einem veröffentlichten Wildwestroman eines erwachsenen Autors verglich, aber sein ungerechtfertigter Verdacht schlug mich wie mit einem Hammer nieder. Ich konnte zwar hilflos und lautstark zum Beweis meiner Aufrichtigkeit jenen ominösen Western fordern, aus dem ich angeblich abgeschrieben hätte, wusste ich doch, dass Manfred ihn nicht nachreichen konnte. Aber das Gefecht hatte ich verloren. Ich war erledigt, der Zweifel war mit seiner zum Himmel schreienden Lüge gesät. Von diesem Plagiatsvorwurf würde ich mich nie wieder erholen können; alle Texte, die ich jetzt noch bringen konnte, würden einen Geschmack haben. Ich verlor in der Klasse augenblicklich an Achtung, auch Tscharly ging mir aus dem Weg. In hilflosem Zorn leerte ich während des anschließenden Kunstunterrichts noch mein Tuscheglas über Manfred aus, aber das wurde mir nur als Rachsucht ausgelegt und vom Lehrer mit Nachsitzen geahndet.

Dies alles geschah wenige Wochen vor den Sommerferien, die ich bei meinen Großeltern in Berlin verbrachte und die mir die Chance auf einen Neubeginn boten, da ich ja wegen meiner Leistungen die Schule wechseln und im Herbst in einer neuen Klasse neu beginnen konnte. Mein Erstlingswerk war aber verloren. Ob Manfred, den ich nie mehr wiedersah, es gegen seine Behauptung doch aufbewahrt hat? Vielleicht besitzt er es immer noch. Ich würde ihm aber nicht raten, sich bei mir zu melden: Als ich eben diese Erinnerung schrieb, kochte erneut Wut in mir auf. Nach über vierzig Jahren habe ich ihm noch nicht verziehen.

2. Kapitel: Johnsons Rache

Ich fand es überraschend beim Herumkramen hinter einer Tapetentür in einem Schrank mit abgelegten Wintermänteln. Das Gewehr war bei meinem letzten Besuch bei den Großeltern im Sommer zuvor noch nicht dort gestanden, das war sicher. Ich hatte es auch vorher noch nie gesehen. Offenbar gab es in dem labyrinthischen Haus noch weitere Lagerflächen, die mir bei meinen systematischen Suchen bisher entgangen waren. Warum der Großvater die Sportwaffe jetzt zusammen mit einer großen Blechdose Munition in diesem Schrank aufbewahrte, habe ich nie erfahren, denn ich hütete mich wohl, ihm von meinem Fund und den daraus resultierenden Ergebnissen zu erzählen.

GewehrEhrfürchtig nahm ich die Waffe in die Hand, vor Freude zitternd. Ich konnte kaum glauben, was ich da entdeckt hatte. Das war keine verkleinerte Faschingsreplik aus billigem Plastik, die man mit enttäuschend leise knatternden Pulver-Plättchen füttern musste, das hier war wirklich ein echtes Gewehr, schwer und kühl lag der Kolben in der Hand. Der Abzug lockte. Hier stand ich – Johnson, der Waldläufer, Johnson, der Held, breitbeinig (und etwas übergewichtig) erwartete ich den Ansturm der Sioux, die das Fort einnehmen und alle skalpieren wollten. Sollten sie nur kommen! Ich hatte eine Kugel für jeden. Ich kippte den Lauf, drückte ihn gegen einen Widerstand nach unten. Mit dieser Bewegung spannte sich auch der Abzug. Ich schob eine von den wie eine Sanduhr geformten Kugeln in den kreisrunden Lauf vor den Hahn. Es knackte mit einem wundervollen satten Geräusch beim Schließen; das hörte sich wirklich wie das Durchladen einer Winchester in einem Western an – meine Waffe war scharf. Ich flüsterte die Worte: „Meine Waffe…“

Ein seltsam warmes, angespanntes Gefühl wühlte plötzlich in meinem Unterleib, kreiste im Magen, setzte sich wie Durchfall ab in die Gedärme, als ich zuerst im Zimmer umher zielte und dann mit einer Handvoll Kugeln auf den mit einer hohen Steinbrüstung ummauerten Balkon trat, der das Dach der Veranda bildete und zu dem nur ich über mein Schlafzimmer Zugang hatte. Zahllose Bücher aus den Regalen der Großeltern las ich dort, von der Sonne langsam braun geröstet. Diesmal war anderes in meinem Sinn: Ich kniete, nahm das Gewehr in Anschlag. Die schwitzige Wange an dem glatten, hölzernen Kolben, zielte ich auf den alten furchigen Kirschbaum, von dem viele Jahre später mein Großvater bei der Obsternte fallen würde – ein Sturz, von dem er sich nie mehr erholte. Ich sah das Weiße in den Augen meiner Indianerfeinde und schoss. Ein trockener Knall wie das Brechen eines dürren Astes ertönte. Da hinten, an einer anderen Stelle als der, auf die ich gezielt hatte, segelte ein zerfetztes Blatt zu Boden. Aufgeregt lud ich von Neuem. Die nächsten Schüsse trafen aufspritzend die graue Mauer hinter dem Baum, die das Nachbargrundstück eines Kohlenhändlers abgrenzte. Die Großeltern hatten wohl nichts mitbekommen, denn beide hörten schlecht. Diese ersten Schüsse lösten in mir ein Gefühl der Macht aus, das ich noch nie empfunden hatte. Schnell rannte ich zurück ins Zimmer und holte die Dose mit der Munition. Anschließend verpulverte ich bestimmt dreißig Schuss, die ich in den Garten hinunter zielend in die Bäume und die Hecken feuerte. Ich kann nicht behaupten, dass mir dabei langweiliger wurde, jeder Schuss war wie ein erneuter Orgasmus. Mir war endlich das mir adäquate Spielzeug in die Hände gefallen.

Und daran sollten auch die anderen teilhaben: Passt auf, ich bringe eine Waffe mit. Ich bin groß!

Das Haus meiner Großeltern, das heute meinem Onkel gehört, liegt in einer Sackgasse, die bei einer Tankstelle vom Waidmannsluster Damm abbiegt. Dort lebten 1977 fast nur alte Leute – sozusagen die Urbevölkerung – die man aber nie zu Gesicht bekam. Allein zwei Häuser weiter wohnten nahe Freunde meiner Familie, die zwei Söhne hatten, von denen der Ältere nur wenig jünger als ich war. Mit Holger verband mich eine seltsame Freundschaft, die jedesmal von Neuem geschlossen werden musste, wenn ich wieder einmal nach Berlin kam. Dann aber, wenn nach ein paar Tagen die erste Fremdheit überwunden war, verbrachten wir die gemeinsamen Ferien nahezu unzertrennlich, gingen ins Freibad nach Lübars, trieben uns in der „Freien Scholle“ und im Tegeler Fliess herum und spielten gemeinsam die Abenteuer, die ich mir ausdachte. Dann war das Haus meiner Großeltern ein Raumschiff, der Keller von Holgers Eltern ein Pharaonengrab oder die alte, stillgelegte Borsig-Lokomotive auf dem Spielplatz entführte uns in die Prärie. Die Ferien meines Teilzeitfreundes endeten jedoch meist schon Mitte August, während meine noch vier Wochen länger währten – also war ich bald wieder für die meiste Zeit allein. Im Sommer ’77 waren wir beide zu alt für unsere früheren Abenteuerspiele, aber meine Entdeckung des Luftgewehrs überwältigte auch Holger und für den Rest des Tages begaben wir uns zurück in den Wilden Westen. Ich war Johnson, der Revolverheld und Westmann und er war Siosi, Johnsons Indianerfreund, Häuptling der Pueblo-Cheyennes. Kein Baum und kein Zaun waren vor unseren Schießkünsten sicher. Wir ballerten auf Blumentöpfe und Blechdosen, auf Flaschen, Luftballons und auf unsere zerplatzenden alten Plastikcowboys, die wir zu diesem Zweck wieder requirierten. Als wir mutiger wurden, schossen wir auch auf Vögel, die missmutige Hauskatze und die Hasen in den Boxen hinterm Haus – glücklicherweise streute das alte Luftgewehr so sehr, dass wir nie trafen. So ganz trauten wir uns auch nicht, richtig zu zielen. Den Lauf spannen, laden, ihn mit diesem wunderbaren Geräusch zuschnappen lassen, auf irgendetwas zielen und feuern – das wurde uns nie langweilig und die fünfhundert Schuss Munition in der Dose schmolzen wie Eis an der Sonne dahin.

Dann spannte Holger erneut den Lauf und diesmal gab es ein hässliches metallisches Knirschen, mit dem der Metallbügel, der die Luft bisher ins Gewehr gepresst hatte, ermüdet zerbrach. Verblüfft starrte mein Freund auf den Bügel, der schlaff an einer Seite der Waffe herunter hing. Wütend riss ich ihm das Gewehr aus der Hand. Damit löste sich der berühmte letzte Schuss und Johnsons Kugel traf den großen Zeh von Siosi, der seine nackten Füße in braunen Ledersandalen stecken hatte. Knapp unterhalb des Nagels drang das Blei ins Fleisch. Wir sahen uns an – und nichts geschah. Holger schrie nicht, sein Schock war zu groß. Mein Blick rutschte herab. Der Zeh blutete heftig. Jetzt sah auch mein Blutsbruder herab und damit endete die Schmerzunempfindlichkeit des Indianerhäuptlings. Kreischend rannte er zu seiner Mutter ins Haus.

Und der tapfere Cowboy? Der packte eilig sein kaputtes Gewehr, schob die spärliche restliche Munition in die Hosentasche und schlich sich kleinlaut aus dem Garten, umging über einen Umweg durch den Keller die Konfrontation mit den Großeltern und stellte das Luftgewehr einfach wieder zurück an seinen Platz, als hätte es ihn nie verlassen. Dort ruhte es für den Rest der Ferien und ich habe es danach nie mehr gesehen. Im Sommer darauf waren in dem Schrank nur noch Mäntel und Modehefte aus den schwarzweißen 50er Jahren zu finden.

Holger trug in der nächsten Woche einen dicken Verband um seinen waidwund geschossenen Zeh. Ich weiß heute noch nicht, welche Geschichte er seiner Mutter aufgetischt hat. Unsere Freundschaft litt keineswegs unter meinem peinlichen Mordversuch; ich entschied mich aber in diesem Sommer endgültig, meine Geschichten nicht mehr zu erleben, sondern sie nur noch aufzuschreiben. Ich begann mit dem ersten Kapitel meines selbstredend Fragment gebliebenen SF-Romans „Dem Sieger eine Handvoll Dreck“; den ich mit Zwanzig ins Altpapier entsorgte, als ich wegen einer vernichtenden Kritik entschlossen war, nie mehr etwas zu schreiben.

Das ist allerdings eine andere Geschichte…

 

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Bei den Großeltern – Zwei

Die „Jarmulke“

Mit Beginn der Sommerferien 1977 war ich endgültig in der Schule gescheitert. Nachdem ich bereits die 6. Klasse wiederholt hatte, endete nun meine Karriere im Gymnasium mit vier Fünfern und zwei Sechsern und der eindeutigen Empfehlung der Lehrerkonferenz, mich zurück in die Hauptschule zu befördern, da ich – allgemeiner Tenor – für eine weiterführende Schule zu dumm war. Meine Eltern hielten mich weniger für dumm als vielmehr für faul und meldeten mich in einer Realschule an, die ich dann ab dem Schuljahr 77/78 besuchte. Dort änderte sich meine Lebenssituation völlig. Ich war plötzlich der Älteste in der Klasse und war dadurch als unverhofftes Alpha-Tier auf den Posten des Klassensprechers abonniert. Ich blieb zwar weiterhin lernunwillig – zumindest was den Schulstoff anging, – erreichte jetzt aber ohne mich für schulische Angelegenheiten zu interessieren durchschnittliche Noten und war nie in Gefahr, das Klassenziel nicht zu erreichen. Und das wichtigste: Ich hatte plötzlich Freunde.

Das war in den Ferienmonaten bei meinen Berliner Großeltern alles noch nicht absehbar. Zu ihnen kam ein gescheiterter, einsamer Pubertierender, dessen Faulheit und dessen soziopathisches, an Autismus grenzendes Verhalten man heute als die Träumer-Variante von ADS diagnostizieren und mit starken Ritalindosen korrigieren würde. Unter den Symptomen meines Aufmerksamkeitsdefizits leide ich noch heute und zu meinem Bedauern habe ich es auch meinen Kindern vererbt.

Ich war also vierzehn Jahre alt, als ich endgültig im Gymnasium scheiterte und meine Mutter mich zu ihrer Erleichterung über die Sommerferien nach Berlin abschob. Auch wenn ich natürlich ein völlig anderes Bild von mir hatte, war ich wie viele leidgeprüfte Jugendliche in diesem Alter: stark pubertierend, picklig und dick. Voller moralischer Bedenken der eigenen Sexualität nachforschend, verlebte ich damals meine Tage in einem Heldentraum, in dem sich meine wuchernde Phantasie und mein wundes Selbstvertrauen in einer faschistoiden, von Fernsehen und Heftromanen geprägten Vorstellungswelt ein Ventil suchten. Obgleich ich nur ein mageres Oeuvre an Wildwest- und Science-Fiction-Geschichten zustande gebracht hatte, die zudem mangels Fleiß und Konzept stets unvollendet blieben, hielt ich mich doch für einen früh gereiften, genialen Schriftsteller, dessen Entdeckung durch ein begeistertes Publikum längst überfällig war.

Nur wenige Zeit zuvor war ich allerdings noch ganz Kind gewesen. Der Wechsel fand in den wenigen Wochen zwischen Ostern und dem Sommer statt. Aus einem mit dem Vater verbrachten Ägyptenurlaub in den Osterferien hatte ich mir eine gestrickte, auffällig gefärbte Fellachenkappe mitgebracht, die ich auf Lord Kitcheners Nilinsel zum Spottpreis von einer Mark erworben hatte. Sie wurde mir das zugleich unnützeste und dabei wichtigste Kleidungsstück, das ich je besessen habe. Vorher hatte ich der Sonne wegen eine Schirmmütze getragen, die ich als treuer Leser von der Comic-Zeitschrift ZACK geschenkt bekommen hatte und an ein um Bakschisch bettelndes Kind weitergab. Wenn ich Fotos von diesem Ägyptenaufenthalt, auf denen ich mit dem Basecap zu sehen bin, mit einer Aufnahme vergleiche, die nur sechs Wochen später bei einem Jugendlageraufenthalt in Österreich gemacht wurde und auf der ich jene orientalische Kappe trage, die an die »Jarmulke« eines gläubigen Juden erinnert, dann ist deutlich der Sprung vom Kind zum pubertierenden Jugendlichen zu erkennen. In meiner Erinnerung liegen die beiden Ereignisse auch weiter auseinander, als sie es tatsächlich sind; es ist eine Kluft zwischen ihnen, die breiter als nur sechs Wochen ist.

KappeWas war der auslösende Effekt, der mich so genau den Beginn meiner Pubertät datieren lässt? War es der mich überwältigende Eindruck der fremdartigen Kultur, der mich fassungslos machte und mich dabei mit einem Elend konfrontierte, das ich nie geahnt noch gar gesehen hatte und dessen Bilder ich mir auch heute noch deutlich vor Augen rufen kann? Oder war es nur das Scheitern am Gymnasium, denn dieses Ereignis war der erste Bruch, den mein Selbstbewusstsein erleben musste? Nun, die Schale »Kind« platzte plötzlich auf und aus dem Ei kroch ein Pubertierender, der die ersten Züge meiner heutigen Persönlichkeit entwickelte. Aus einem Grund, den ich nicht genau entschlüsseln kann, war mir die Kappe, die ich praktisch nur zum Schlafengehen ablegte, bei meinen ersten unsicheren Schritten Stütze und Halt; unter ihr fühlte ich mich geborgen, be-»hütet«. Gleichaltrige Bekannte bemerkten den Fetischcharakter dieses Kleidungsstückes schnell und es war oft das Ziel von Spott und Diebstahl. Ich litt unter den Grausamkeiten, aber die Kappe wurde mir dadurch noch heiliger.

Auch bei meinen Freunden in der katholischen Jugendgruppe, den einzigen, die ich damals besaß, endete die Kindheit. Bei den Weiterentwickelten, oder, besser formuliert, den Attraktiveren, gab es erste Verwirrungen mit dem anderen Geschlecht. Als zwei meiner Freunde um das gleiche Mädchen buhlten, baute ich diese Geschichte in meinen Heldenträumen aus, verschärfte den Konflikt und stellte mich in Erzählungen als unglücklich zerrissen in die Mitte der in Wahrheit nicht existierenden dramatischen Handlung. Es war also nur mein literarisches Interesse geweckt und kein Mitfühlen mit den Nöten der Verliebten. Mein schönster Traum war es übrigens, dass sich jenes Mädchen zu mir hingezogen fühlte.

Zusammenfassend: Zu den Großeltern nach Berlin kam in jenem Sommer erstmals kein Kind mehr.

Der Sonntag war im Haus der Großeltern ein großes Ereignis; obwohl auch er feste Regeln besaß, waren doch die seinen vom Gleichlauf der anderen Tage unterschieden. Es wurde morgens länger geschlafen. Trotzdem war ich müde: In den Räumen, die ich im ersten Stock des Hauses für mich allein bewohnte, stand ein ausgemusterter, aber funktionstüchtiger Schwarzweiß-Fernseher stand und das Samstagabendprogramm war das interessanteste und längste der Woche. Mir hatten es vor allem die beiden Ostkanäle angetan, die wir zuhause nicht empfangen konnten und in denen ich ganz erstaunliche Dinge zu sehen bekam. Zudem hatte das Ostfernsehen den Reiz des Verbotenen, da die Großeltern befürchteten, mein junger, formbarer Geist würde vom »schwarzen Kanal« beeinflusst. Diese Sorge war allerdings unbegründet, da ich Western und Krimis und nicht politische Bildung suchte.

gunhillIn der Nacht zu jenem Sonntag, über den ich nun schreiben werde, den 23. August 1977, hatte ich einen im »Zwölf-Uhr-Mittags«-Stil gedrehten Film mit Kirk Douglas und Anthony Quinn gesehen, der mir noch Jahre als atemberaubend spannend in der Erinnerung blieb und mich damals lange am Einschlafen hinderte. Beim späteren Wiedersehen des Westerns war er einer von vielen; am erstaunlichsten war noch, dass die mich damals so sehr beeindruckenden Schwarzweißbilder in Wirklichkeit farbig sind; diese Entdeckung hatte etwas von der Erkenntnis, dass es keinen Nikolaus gibt.

Jener Sonntag, dessen Frühstück ich schlaftrunken über mich ergehen ließ, war ein ganz besonderer: Zum Kaffee am Nachmittag wurden spezielle Gäste erwartet, nämlich ein erst am Wochenende zuvor aus der DDR geflüchteter Verwandter, ein Arzt der Ostberliner Charité, der mit Frau und zu diesem Zwecke betäubten Kleinkindern für viel Geld im Kofferraum des Wagens eines Diplomaten Republikflucht begangen hatte. Der Arzt hatte sich für seine Flucht ausgerechnet einen Abend gewählt, an dem meine Großeltern mit einer Tante in den Osten der Stadt gefahren waren, um andere Verwandte zu besuchen. Ich war allein im Haus geblieben und erwartete sie gegen zehn Uhr wieder zurück. Da jedoch die Flucht vor ihrer Heimkehr bekannt wurde, hielten sie die DDR-Zöllner am Kontrollpunkt auf, ließen sie ohne Angabe von Gründen mehrere Stunden im Auto sitzen, bis sie sie dann doch fahren ließen.

Nun, nach einer Woche hatte sich die meiste Aufregung gelegt und die vergrößerte Familie wurde zum Nachmittag erwartet. Ich war fest entschlossen, einen Kriminalroman über »Republikflüchtige« zu schreiben, den ich »Das Loch in der Mauer« nennen wollte. Beim Frühstück fragte mich die Großmutter, wer denn »Elvis Presley« sei, sie hatte beim Friseur gelesen, dass er in der vorigen Woche verstorben wäre. Ich hatte zwar von ihm gehört, konnte aber auch keine nähere Auskunft geben, denn ich stand mit zeitgenössischen Musikern und deren Klängen damals fast ebenso sehr auf Kriegsfuß wie meine Großmutter selbst; aus meinem Kassettenrecorder ertönten stundenlang die Anfangstakte von Tschaikowskijs b-moll-Klavierkonzert. Das war so ziemlich die einzige Art von Musik, die mir gefiel. Ein paar Jahre später blamierte ich mich, als eines Morgens ein betroffener Klassenkamerad mit atemloser Stimme berichtete, dass man in der Nacht John Lennon ermordet habe und ich ihn erst fragen musste, wer das denn sei.

Was ich den weiteren Vormittag gemacht habe, ist nicht mehr in meiner Erinnerung, ich weiß nur noch, das Wetter an diesem Tag war unbeständig und die Großmutter beschloss, das nachmittägliche Kaffeetrinken im Hause stattfinden zu lassen. Wahrscheinlich habe ich gelesen, aber nicht Literatur, sondern ein Comic-Heft, das Girauds „Blueberry“ abdruckte. Einer der Räume des ersten Stocks glich ein wenig einer Schiffskabine, er hatte ein kleines Fenster und seltsamerweise war die Decke zur Wand hin auf zwei Seiten stark abgerundet. Das war mein Lesezimmer, wenn das Wetter mich daran hinderte, im Garten sitzen zu können. Hier wartete ich am frühen Nachmittag, sah aus dem Fenster auf die kleine Straße, einer im tatsächlichen Sinne des Wortes Sackgasse mit nur fünf Häusern im Rund und hielt nach den Autos der Besucher Ausschau. Als ich sie endlich eintreffen sah, schlüpfte ich in meine Schuhe, stürzte atemlos die ersten Stufen der steilen Treppe hinab, kehrte noch einmal um, weil ich meine „Jarmulke“ vergessen hatte. Niemand sollte mich ohne dieses Kleidungsstück sehen, das mir wie ein Ausrufezeichen hinter meinen besten Charaktereigenschaften war. Bereits in ein Gespräch mit meiner Cousine vertieft, kehrte ich kurze Zeit später knapp hinter den anderen Verwandten ins Haus zurück und trat ins Wohnzimmer, das bereits für den Nachmittagskaffee gedeckt war. Die Großmutter werkelte in der Küche, vom Großvater war nichts zu sehen.

Plötzlich spürte ich eine feste, energische Hand auf meinem Kopf, die mir meine Kappe mitsamt ein paar Haarbüscheln herunter riss. Aufschreiend wand ich mich herum. Halb erwartete ich, dass mein kleiner Cousin mir wieder einen Streich gespielt hatte.  Aber diesmal war er unschuldig. Er saß draußen im Regen auf der Schaukel. Auch meine Cousine und die andere Verwandtschaft drehten erstaunt den Kopf. Mein Großvater stand hinter mir. Er war ein wenig kleiner als ich, aber in diesem Moment eine beeindruckende Erscheinung. Seine Hand, die Hand eines Schlossers, hielt er fest um die Kappe geklammert. Er funkelte mich böse an, dann wurden seine Augen milder.

„Wir tragen im Haus keine Mützen. Das ist hier Tradition“, sagte er und steckte die Kappe ohne einen weiteren Kommentar in seine weite Hose. Er lächelte und verließ den Raum. Ich hatte kein Verhaltensrepertoire, rieb mir den schmerzenden Kopf und schämte mich. Meine Cousine kicherte. Ich suchte nach einem Mauseloch, in dem ich mich verkriechen konnte und flüchtete in den Garten. Lieber wollte ich nass werden, als mich hier weiter anstarren zu lassen. Ich hörte, wie hinter mir gelacht und gesprochen wurde.

Ich hatte diese Kappe bereits seit drei Wochen vor den Augen meines Großvaters in seinem Haus getragen und er hatte sie nie seiner Beachtung für Wert befunden. Woher kam also plötzlich diese Überreaktion, wenn es überhaupt eine war? Warum demütigte er mich vor der Verwandtschaft und dem Mädchen, das ich beeindrucken wollte? Weshalb wählte er exakt diesen Moment, an dem ich mich am sichersten fühlte – war das Gedankenlosigkeit oder ein Plan?

Die Mütze hat er mir übrigens nicht wieder zurückgegeben und ich habe mich nie getraut, ihn nach ihr zu fragen. Sie tauchte nie wieder auf. Ich habe sie auch nicht gefunden, als wir das Haus nach seinem Tod ausräumten.

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In der Nähe

So komm heran und gehe sachte.
Ich liege, erwarte
deiner Schritte sehnsuchtsvollen Klang.

Mir scheint, ich harrte ein Leben lang,
weiß nicht, war’s deins, war’s meins,
auf meines langen Schweigens Ernte.

Nun endlich hab ich mein Telos
gefunden, sagst du, sagst,
was solche Wörter nur verdecken.

So komm heran und beug dich nieder.
Ganz nahe ist das Ziel.
Dein weinroter Atem auf meiner Haut…

Gedicht IV, Berlin-Zyklus, 1987

Berlin 87-4

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Fern der Schuld

Wir gingen nicht zweifelnd
den Pfad, den wir fanden,
verschworen geleitet
vom liebevollen Wald.

Wir dachten reine Dinge
als wir Hand in Hand
zwischen dunklen Blütenzweigen
und feuchtem Grase
die Stelle fanden.

Schließlich doch starben wir
im weichen, warmen Moos,
so fern von aller Schuld –
so behütet, so bewahrt.

Und über uns, der hohe Baum
neigte im Wind die Blätter,
flüsterte tausend Namen,
die ich dir ermattet gab.

Gedicht V, Berlin-Zyklus, 1987

gras

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Narren der Helle

unter tränen/wiegen wir die winde/
wie die träume die sterben:
unter tränen/wiege ich mein kind/
tränen/unter tränen: leben.

da wir geboren wurden in den stunden der nacht/
wird düster was dunkel wir berühren:
da wir geboren wurden in den stunden des leids/
wird trauer was heftig wir umarmen.

narren der helle/
wanken wir in den schatten des lichts:
sehen die früchte der wiesen des mondes/
wo selbst namen ihre wege verlieren/
wir sehen dort/sehen doch nichts.

wo beginne ihr ende schon tragen/da will ich sein:
will anfang und wehe/will schluß und leid.

Gedicht II, Berlin-Zyklus 1987

Berlin 87-2

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Mauern

Vögel heben ihre Flügel
in den Himmel:
Wohin sie sich auch wenden,
stoßen sie doch
auf Mauern aus Luft.

Sie neiden den Menschen
ihren Platz auf Erden:
Denn die sind frei.

Gedicht III, Berlin-Zyklus 1987

brandenburg

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